„Deutschland sucht den Grippe-Impfstoff“ (#NeuesDeutschland): Lieferengpässe beim Influenza-Impfstoff in vielen Teilen Deutschlands sind ein Thema auch in den sozialen Medien. Der bessere Vierfach-Impfstoff als Kassenleistung hat die Nachfrage in die Höhe getrieben, hinzu kommt eine in vielen Fällen fehlerhafte Bestell- und Bevorratungspraxis – fertig ist die #Impfmittelknappheit.

Seit Wochenanfang stieg die Anzahl der Postings zum Thema von 0 auf 170, verfasst von insgesamt 50 Autoren auf Twitter, Instagram und in diversen Blogs. Rund die Hälfte der Beiträge ist positiv (bereits Geimpfte, generelle Impfbefürworter), die andere Hälfte negativ („Missmanagement“, „Behördenversagen“, generelle Impfgegner). Auch ironischer Spott hat seinen Platz. Zu drei Vierteln melden sich Männer zu Wort.

Im europäischen Ausland sind Versorgungsengpässe kein Thema. In Großbritannien widmen sich in dieser Woche (bis Donnerstag) 115 Onlinebeiträge dem #flushot, drei Viertel davon mit positivem Tenor. Mit über 350 Postings in demselben Zeitraum diskutieren die Franzosen den #Grippeschutz am engagiertesten, sie zeigen außerdem ein konstantes Interesse. 60 Prozent der Beiträge sind positiv; erörtert werden die (wenn auch geringe) Möglichkeit einer #Impfpflicht gegen Influenza sowie die Durchführung der Impfungen in Apotheken.

Diese werden in Frankreich seit Oktober tatsächlich in zwei westlichen Départements – Charente (Präfektur Angoulême) und Charente-Maritimes (La Rochelle) – versuchsweise angeboten. Mit wachsendem Erfolg: Seither wurden über 100.000 Menschen gegen Vorlage eines offiziellen Impfgutscheins in Apotheken gegen Influenza geimpft, während es in der gesamten Impfsaison 2017 nur 50.000 Menschen waren. Rund 70 Prozent der regionalen Apotheken nehmen an dem Experiment teil und verabreichen den Grippe-Impfstoff.

In Deutschland sind in dieser Woche, außer den möglichen Nebenwirkungen der Influenza-Impfung, #Antibiotika ein gefragtes Thema (Google). In ca. 1500 Onlinebeiträgen (seit Montag) geht es um den sorglosen Umgang mit dieser Arzneimittelgruppe, die Zunahme antibiotikaresistenter Erreger, die Entwicklung neuer Vakzine und mögliche alternative Behandlungswege.

Auslöser dieser „Buzz Cloud“ war die #World Antibiotic Awareness Week (WAAW) der Weltgesundheitsorganisation (#WHO) in der Vorwoche, mit Kulminationspunkt am #Welt-Antibiotika-Tag, der auch eine vom #ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) gesponserte europäische Variante hatte.

Hierzulande wurde die WHO-Kampagne durch vielgestaltige Beifahrer-Kommunikation begleitet, beispielsweise die Aktion #Antibiotika-Alternativen des vom G-BA Innovationsfonds geförderten Projekts #ARena – Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden (siehe #Technokratensprache), das – unter Beteiligung der #AgenturDeutscherArztnetze, der AOK und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns – vom aQua-Institut geleitet wird. Aqua was? Dahinter steht ein gut vernetztes Göttinger Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt in der „angewandten Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen“. Den politischen Überbau für das Projekt „ARena“ bildet die #DeutscheAntibiotikaResistenzstrategie (#DART2020) der Bundesregierung.

Weit weniger professionell verlief dagegen die soziale Kommunikation der Initiative  “Besser Leben mit Labor“ (bitte nicht verwechseln mit „Live better with Labour“) der Branchenfachverbände der Diagnostiker, sprich Akkreditierte Labore in der Medizin e.V. (#ALM) und Verband der Diagnostica-Industrie e.V. (#VDGH). Sie schickten ein marveleskes 3D-Maskottchen namens „D-Man“ in den Kampf gegen multiresistente Keime, und zwar auf Berliner U-Bahn-Plakaten und im Netz. Das Hashtag fürs Männle auf Twitter lautet #DMan – und bekam prompt unpassende Konkurrenz. Don’t forget your hashtag check!

Denn im Twitter-Thread von D-Man macht sich nun bereits weit vorne ein gewisser „Scotty Swashbuckeler“ (#DMAN) breit. Und Scotty hat mit einer ganz anderen Art der Diagnose zu tun, nämlich mit der Aktienanalyse und -bewertung. Deshalb postete er viele launige Charts und macht unmissverständlich klar: „We’ve only just begun…“.

Scotty wirbt für außerbörslich (zum Beispiel am Telefon) gehandelte Anteile an der Innovativ Media Group (INMG), eine Multimedia-Firma in Los Angeles. Die hat vor kurzem nicht nur die kalifornische Health- und Wellness-Boutique Demand Brands Inc. (DMAN) übernommen, sondern ist gleichzeitig in diverse kanadische Cannabis-Outlets investiert, wie CannaNet.TV. Klare Sache: Kaufempfehlung!

Kanada hat im Oktober als erstes Industrieland den Verkauf und Konsum von Cannabisprodukten legalisiert, seitdem schießen die Marihuana-Aktien in die Höhe. Der Berliner Superheld D-Man sollte sich fragen, ob er nicht besser in Kanada als „Dope-Man“ Karriere macht.

Auch bei uns kommt das Thema #Cannabis langsam in Fahrt. „Cannabis ist verboten, weil es illegal ist“, tautologisierte Marlene Mortler (CSU), in den sozialen Medien überdurchschnittlich stark vertretene Drogenbeauftragte der Bundesregierung, noch im vergangenen Jahr (seitdem Twitter-Pause). Inzwischen sehen viele Politiker das anders. Die Cannabis-Freigabe für Patienten ist Indikator für die wachsende Normalisierung im Umgang mit den Hanf-Cannabinoiden, die über kurz oder lang zu einer (kontrollierten) Abgabe von Cannabis als Genussmittel führen dürfte. In einer aktuellen Online-Umfrage des Berliner #Tagesspiegel rechnen knapp 40 Prozent der Teilnehmer damit, dass Cannabis innerhalb der nächsten sechs Jahre in Deutschland vollständig legalisiert wird.

In den sozialen Medien erreicht das Thema Cannabis-Medizin in dieser Woche mit 147 Postings (bis Donnerstag) in Foren und Blogs sowie auf Twitter, Instagram, Flickr und Pinterest ein neues Halbjahreshoch. Kommentiert werden die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (#BfArM) für den Anbau von Medizinal-Hanf in Deutschland und die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (#GSAV) geplante Vereinfachung der Cannabisverordnung. Auch der Vorstoß der Grünen im Bundestag, den sogenannten Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen zu streichen, weil sie zu viele Anträge von Patienten auf Cannabis als Medikament ablehnten, findet sich in den Netzkommentaren wieder.

Einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks, demzufolge die analgetische Wirkung von Cannabis durch Studien bisher nicht eindeutig belegt ist, kontert #HanfHeilt.net mit anderslautenden Studienergebnissen und einem Statement von Prof. Dr. @RainerSchmid, Chemiker und Toxikologe an der Universitätsklinik der Stadt Wien: „Der Vorwurf der fehlenden Wirksamkeit wegen fehlender klinischer Studien ist absurd.“ Einen Überblick über neuere Studien zur Wirksamkeit von Medizinal-Hanf in der Schmerztherapie liefert Bloggerin Celine Stubentor vom #THC.Guide.

Eine Apotheke in Hürth bei Köln bietet übrigens auf ihrer Seite “Cannabis-Apotheke” tagesaktuelle Verfügbarkeitsdaten für verschiedene Hanf-Blütensorten.

In Kanada indessen sehen Experten die Legalisierung von Cannabis als möglichen Ausweg aus der Opioid-Schmerzmittel-Krise. Hoffnung diesbezüglich auch in den USA: Dort ist „medical marijuana“ derzeit in 33 der insgesamt 50 Bundesstaaten legal, in zehn Bundesstaaten plus Washington, DC ist der Cannabiskonsum komplett legalisiert.

Let’s do business!