Sagt Ihnen #InsulinPurging etwas? Das ist die englische Umschreibung eines gefährlichen Trends, der sich bei jungen Typ 1-Diabetikern, und hier vor allem bei jungen Frauen, ausbreitet: das absichtliche Weglassen der medizinisch notwendigen Insulininjektionen, um Körpergewicht zu verlieren, um “schlank” zu bleiben oder zu werden. Die vermeintliche und riskante Logik dahinter: „Insulin macht mich dick, also verzichte ich darauf.“ (Anmerkung: Bei richtiger Einstellung bewirken Antidiabetika keine Gewichtszunahme.) Das gesundheitsgefährdende „Insulinsparen“ geht häufig mit einem gestörten Essverhalten einher, weshalb der gesamte Verhaltens- und Symptomkomplex als #Diabulimie bezeichnet wird, ein Kompositum aus Diabetes und Bulimie.

Diese noch wenig bekannte Erkrankung macht der von Amy Tenderich in den USA ins Leben gerufene Blog #DiabetesMine zum Thema, und zwar mit einem Gastbeitrag der Aktivistin Erin Akers. Früher selbst Betroffene, gründete Akers vor zehn Jahren die #DiabulimiaHelpline als Nonprofit-Organisation. Im November dieses Jahres veranstaltete sie die „1st International Conference on Diabetes and Eating Disorders“ (@DBHcon18) in New Orleans, die mit jeweils eigenen Programmen sowohl Mediziner und Therapeuten wie auch Patienten ansprach und dabei einen lebendigen Austausch zwischen beiden Gruppen ermöglichte.

Zu den Gastrednern der Konferenz gehörte Dr. #OvidioBermudez, Medizinischer Direktor und Leiter der klinischen Fortbildung am Eating Recovery Center in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Bermudez gilt wegen seiner Methode zur schrittweisen Insulin-Rückgewöhnung, die in zahlreichen Behandlungszentren angewendet wird, als Kapazität auf dem Gebiet der Diabulimie-Therapie. Die Psychologin Dr. #AnnGoebelFabbri, früher Lehrbeauftragte an der #HarvardMedicalSchool und Mitarbeiterin am #JoslinDiabetesCenter in Boston, hielt einen Vortrag über die Prävention und Behandlung von Essstörungen, die mit Typ 1-Diabetes assoziiert sind.

Auf Grund des Erfolges der ersten Konferenz wird es eine zweite im kommenden Jahr geben, und zwar vom 20. bis 22. September 2019 im kalifornischen San Diego.

Wenn Diabetiker in den USA ihr Insulin rationieren, kann das einen ganz anderen Grund als eine Essstörung haben: Geld. Auf Twitter tauchen immer wieder einmal entsprechende Hinweise auf, wie der von #BenWikler, Washingtoner Aktivist der basisdemokratischen Bewegung #MoveOn, die sich unter anderem für Verbesserungen im amerikanischen Gesundheitssystem einsetzt.

Wikler hebt auf eine Meldung des unabhängigen TV-Senders #RTV6 in Indianapolis ab. Dort wird von einer jungen Frau berichtet, einer Typ 1-Diabetikerin, die ihre Insulinversorgung aus finanziellen Gründen einschränken musste, als sie College-Studentin war. Eine Monatsration des Wirkstoffs koste sie rund 1000 Dollar. Selbst heute, mit einem Vollzeitjob und einer Krankenversicherung, sei sie auf die Hilfe von Verwandten und kostenlose Insulin-Muster ihres Arztes angewiesen, teilt die Frau in dem Beitrag mit. Zitiert wird darin auch eine Studie der #Yale University, wonach 25 Prozent der Diabetes-Patienten ihr Insulin rationieren müssen, weil es zu teuer für sie ist.

Zu diesem Thema ist ein Beitrag des in Seattle tätigen Endokrinologen Irl Hirsch (@IrlHirsch) nach wie vor lesenswert, den er früher in diesem Jahr auf STAT gepostet hat.

Sorgen um das Insulin macht sich angesichts eines drohenden Hard Brexit derzeit auch mancher britische Diabetiker, darunter Premierministerin #TheresaMay: Bei einem ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, so wird in zahlreichen Tweets spekuliert, könnten auf der Insel rasch die Medikamente ausgehen.

Die Neudiagnosen von Typ 1-Diabetes unter Kindern bis 14 Jahren nehmen in Europa zu: im Durchschnitt um 3,4 Prozent jährlich. Das hat eine im Fachjournal #Diabetologia Ende November veröffentlichte Studie ergeben, in der die Daten des europäischen Typ 1-Diabetes-Registers #EURODIAB für den Zeitraum von 1989 bis 2013 untersucht wurden.

Die für Deutschland verfügbaren Zahlen zu Neuerkrankungen betreffen Sachsen (jährlicher Anstieg um 4,4 Prozent), Baden-Württemberg (4,1 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (2,6 Prozent). Als Ursachen für den Ausbruch eines Typ 1-Diabetes bei Menschen mit einer entsprechenden genetischen Disposition vermuten Forscher verschiedene Umweltfaktoren, darunter bestimmte Viren und Mikroorganismen.

Die steigende Diabetes-Typ 1-Inzidenz in Sachsen und Baden-Württemberg mag erklären, warum die Menschen dort ein besonders großes Interesse an dem von #NovoNordisk zum 1. Dezember in Deutschland wiedereingeführten Basalinsulin-Analogon #Tresiba (Insulin degludec) zeigen, folgt man der Beliebtheit des Suchbegriffs bei Google in den letzten Wochen.

Anfang 2016 hatte Novo Nordisk das Präparat vom deutschen Markt genommen, da es seine Preisvorstellungen gegenüber den Krankenkassen nicht durchsetzen konnte. Der G-BA hatte dem Arzneistoff keinen Zusatznutzen im Vergleich zu etablierten Insulinbehandlungen zugesprochen. Das langwirksame Basalinsulin war hierzulande nur als Import erhältlich. Nach neuen Studiendaten, die den klinischen Nutzen von Insulin degludec bestätigen, und dem Aufruf des G-BA zur erneuten Nutzenbewertung entschied Novo Nordisk das Comeback des Diabetesmedikaments – nicht zuletzt angesichts einer nach eigenen Angaben anhaltend hohen Nachfrage in Deutschland.

Die weltweit wachsende Zahl insulinpflichtiger Typ 2-Diabetiker sieht sich mit einem drohenden Insulin-Mangel konfrontiert, wie eine im #Lancet Diabetes & Endocrinology-Journal im November veröffentlichte Studie zeigt. Demnach werden bis 2030 – also in 12 Jahren – rund 40 Millionen Typ 2-Diabetiker keinen Zugang zu dem medizinisch benötigten Wirkstoff haben.

Themenwechsel: Ernährung ist nicht nur für Diabetiker eine wichtige (änderbare) Einflussgröße, sondern auch für Frauen in der Schwangerschaft. Im aktuellen Post ihres Gesundheitsblogs gibt die von mir geschätzte französische Medizinjournalistin #VanessaPageot Empfehlungen für gesundheitsbewusstes Essverhalten, wenn man ein Baby bekommt: „Kein Sushi, kein Rohmilchkäse und keinen Tropfen Alkohol.“

Sushi, namentlich der darin enthaltene rohe Fisch, birgt die Gefahr einer Infektion mit Listerien, bakterielle Erreger, die für Mutter und Kind gefährlich werden können. Die Listeriose ist in Deutschland meldepflichtig, aber schwer zu diagnostizieren, weshalb der Einsatz von Antibiotika häufig zu spät erfolgt. Die Zahl der Infektionen bei Menschen in Folge des Verzehrs verdorbener oder verschmutzter Lebensmittel ist in den letzten Jahren in Europa angestiegen.

In Rohmilch und nicht pasteurisiertem Käse sind es salmonellenartige Bakterien, die zu Erkrankungen führen und während einer Schwangerschaft die Gesundheit des Fötus gefährden können. Risikofaktor Nummer eins für die vorgeburtliche Entwicklung eines Kindes ist laut Vanessa Pageot in Frankreich der Alkoholkonsum. Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) sei der französischen Gesundheitsagentur (#SantéPubliqueFrance) zufolge die Hauptursache für körperliche Missbildungen und geistige Behinderungen bei Neugeborenen. Die Agentur hat im September eine Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne über die Risiken von Alkoholkonsum während Schwangerschaft und Stillzeit gestartet.

Experten in Großbritannien gehen davon aus, dass ihr Land, nicht Frankreich, eine der weltweit höchsten FAS-Raten zu beklagen habe. So auch fünf britische Wissenschaftlerinnen, die sich in ihrem gemeinsamen Post auf der Social-News-Plattform #TheConversation der Problematik widmen. Sie beziehen sich auf eine im vergangenen Jahr in The Lancet veröffentlichte Studie, an der auch der deutsche Psychologe Dr. #JürgenRehm mitgewirkt hat. Der in Mannheim promovierte Rehm ist Professor im kanadischen Toronto, Leiter der epidemiologischen Forschung an der TU Dresden und Drogenmissbrauchsexperte der WHO. Der Studie zufolge konsumieren 41 Prozent der britischen Frauen während ihrer Schwangerschaft Alkohol, 19 Prozent trinken exzessiv.

Die Autorinnen kritisieren die aktuellen Gesundheitsempfehlungen der Behörden, die ihrer Meinung nach zu liberal ausfallen und schwangeren Frauen anstelle des früher propagierten Alkoholverzichts lediglich die Vermeidung von Alkohol nahelegten, was den gelegentlichen Konsum geringer Mengen nicht ausschließe. So glaube die Mehrzahl der werdenden Eltern im Vereinigten Königreich, dass eingeschränkter Alkoholgenuss der Mutter während der Schwangerschaft keinen gesundheitlichen Schaden beim Kind hervorrufe.

Erschwerend komme hinzu, dass es in Großbritannien kein einheitliches System zur Überwachung der Prävalenz von Alkoholkonsum bei Schwangeren gebe. Zwar fragten Ärzte und Hebammen die Frauen danach, die Informationen würden jedoch nicht gespeichert. Die fehlenden Daten verhinderten eine frühe Diagnose der fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD).

Kanada und Australien, schreiben die Wissenschaftlerinnen, seien Vorbilder für eine bessere Strategie zur FASD-Prävention. In Kanada werde ein Vier-Stufen-Modell praktiziert, in dem junge Frauen und werdende Mütter frühzeitig über die Gesundheitsrisiken bei pränatalem Alkoholgenuss aufgeklärt und informiert werden.

Wie die Alkoholstrategie der EU aussieht, das kann man auf #Euractiv in den Beiträgen des unermüdlichen Sarantis Michalopoulos nachlesen.