Die Neugeborenenmedizin hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, sowohl was die apparative Diagnostik als auch die verfügbaren Medikamente und Therapiegeräte angeht. Profitiert hat vor allem die #Neonatologie, bei der die Behandlung von Frühgeborenen im Mittelpunkt steht. Die Überlebenschancen der winzigen Patienten sind gestiegen, dennoch ist die Situation in Deutschland unbefriedigend: Die #Frühgeborenenrate ist mit knapp neun Prozent eine der höchsten im europäischen Vergleich. Es mangelt hierzulande an geeigneten Präventionsmechanismen, um die (bekannten) Risikofaktoren für #Frühgeburten zu reduzieren.

Einen interessanten Überblick über die neuesten internationalen Entwicklungen in der Peri- und Neonatologie verspricht die 14. „Hot Topics in Neonatal Medicine“ vom 12. bis 14. Februar 2019 in Dschidda in Saudi-Arabien. Abstracts können noch bis 12. Januar eingereicht werden, Anmeldung zur Konferenz hier.

Vorgesehene Themen der Veranstaltung im örtlichen Ritz-Carlton-Hotel, zu der über 1000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden, sind unter anderem die neonatale Lungeninsuffizienz (#AcuteRespiratoryDistressSyndrome, kurz ARDS, bei Frühgeborenen nach der Montreux-Definition), die Ultraschall-Diagnostik der Lunge, das Hämodynamik-Monitoring sowie die Behandlung von Hypotonie und Schock.

Wem der Weg in den Wüstenstaat zu weit ist, der schafft es vielleicht zum #Perinatalsymposium 2019 unter der Überschrift „Neonatologie im Wandel“ am 10. und 11. Mai in der Universitätsfrauenklinik Maistrasse in München. Besonderheit: Ein Workshop, in dem Notfälle im Kreißsaal simuliert werden (begrenzte Teilnehmerzahl). Das Symposium steht unter dem Schirm der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (#GNPI), welche wiederum zu ihrer 45. Jahrestagung vom 23. bis 25. Mai 2019 in die Kongresshalle am Zoo Leipzig einlädt.

International wird es wieder beim #OGP (Obstetrics, Gynecology & Pediatrics) World Congress 2019 am 29. und 30. Juli in Singapur.

Der Stadtstaat #Singapur sieht sich als führender Innovationsstandort  und verfügt über wenige aber hervorragende Universitäten. Die #NationalUniversityOfSingapore (NUS) schneidet in internationalen Rankings regelmäßig sehr gut ab. Die #NanyangTechnologicalUniversity (NTU) ist ebenfalls exzellent und unterhält in Partnerschaft mit dem Imperial College London die neu eingerichtete #LeeKongChianSchoolOfMedicine. Die ersten Absolventen haben 2018 ein fünfjähriges Programm abgeschlossen.

Laut #TimesHigherEducationWorldUniversityRankings (2017) liegt die NUS auf Platz 24, die NTU liegt auf Platz 54 und wurde 2015 als „the fastest rising young university in the world” bezeichnet.

Als beste Hochschule für das Studium der Kinder- und Jugendmedizin weltweit gilt die US-amerikanische #HarvardUniversity, genauer die #HarvardMedicalSchool. Sieht man vom pediatrischen Fachgebiet ab, rangiert Harvard in den Ranglisten medizinischer Fakultäten auf dem zweiten (hinter der Universität von #Oxford in Großbritannien) bis sechsten Platz (hinter Oxford, der Universität von #Cambridge, ebenfalls in Großbritannien, sowie den US-amerikanischen Hochschulen #Stanford, Massachusetts Institute of Technology, kurz #MIT, und California Institute of Technology, kurz #Caltech).

“Times Higher Education“ (#THE) zufolge ist die beste deutsche Hochschule für Medizin die Ludwig-Maximilians-Universität München (#LMU München), andere Rankings wie das vom Centrum für Hochschulentwicklung (#CHE) sehen dagegen die #UniversitätHeidelberg vorne; ebenfalls gelistet sind die #Charité in Berlin und die #TechnischeUniversitätMünchen.

Übrigens gehört die Kinder- und Jugendmedizin zur zweitbeliebtesten Facharztrichtung unter Medizinstudenten in Deutschland, nach dem Fach Innere Medizin. Unbeliebteste medizinische Fachrichtung sind die Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologie). So jedenfalls konstatiert es der Blog der Mediziner-Seite „praktischArzt“.

Schauen wir wieder auf die großen Universitäten und ihre Neuigkeiten aus der medizinischen Forschung. #Oxford bringt auf seiner News-Seite einen noch im vergangenen Jahr auf „The Conversation“ erschienenen Essay der australischen Biomedizin-Ethiker Julian Koplin und Julian Savilescu, die beide zur Zeit am Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne arbeiten; der Mediziner und Neurowissenschaftler Savilescu hat in Oxford den „Uehiro“-Lehrstuhl für praktische Ethik inne.

In ihrem Beitrag setzen sich die beiden Wissenschaftler mit den ethischen Fragen der Züchtung von #GehirnOrganoiden aus menschlichen #Stammzellen auseinander.

Zwar ist die Erzeugung zerebraler Mikrostrukturen im Labor, einschließlich funktionierender Neuronenverbindungen, bereits seit einigen Jahren möglich. Doch die jüngsten Fortschritte bei der Entwicklung von „Mini-Gehirnen“ verstärkten die Notwendigkeit ethisch-moralischer Regeln für die #Biomedizin, so Koplin und Savilescu.

Neurowissenschaftlern der Universität von Kalifornien in San Diego, USA, war es im November gelungen, Cortexgewebe zu züchten, das elektrische Impulsmuster ähnlich denen im Gehirn frühgeborener Babies (zwischen der 25. und 39. Schwangerschaftswoche) aufweist. Dieselben Forscher sind nun dabei, zerebrale #Organoide in Mikroroboter zu implantieren. Auch an der Übertragung humaner #Gehirnzellen in das Cerebrum von Ratten wird geforscht.

Koplin und Savilescu räumen ein, dass die Forschung an Labor-Gehirnen durchaus einem moralischen Zweck diene: Durch ein tieferes Verständnis der #Gehirnentwicklung und der Entstehung neurologischer Erkrankungen wie Morbus #Alzheimer, #Autismus oder #Schizophrenie könnten deren Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden. Besorgnis löst bei den Autoren jedoch die Möglichkeit aus, dass die Gehirn-Organoide eines Tages ein menschenähnliches Bewusstsein entwickeln. Für den Umgang mit denkenden und fühlenden Neuronenclustern, die eigene moralische Interessen besäßen, gebe es noch keinerlei ethische Regeln.

Die beiden Wissenschaftler fordern ein ethisches Regelwerk, dessen Fundament in der grundsätzlichen Annahme besteht, dass zerebrale Organoide, deren elektrische Aktivitäten diejenigen eines 20 Wochen alten Fötus übersteigen, ein Bewusstsein haben und deshalb nicht als „biologisches Material“, sondern als wahrnehmende Wesen behandelt werden müssen. Darüber hinaus, so Koplin und Savilescu, sollten die ethischen Regeln Daseinsbedingungen für die #Gehirnoide definieren, die ihrer moralischen Existenz angemessen seien.

Harvard berichtet auf seiner News-Seite über eine aktuelle Untersuchung, die zeigt, dass Menschen mit #Downsyndrom (DS) ihr Leben lang hinzulernen und auch im Erwachsenenalter funktionale Fähigkeiten erwerben können.

Unter der Leitung von Brian Skotko, Professor für Kinder- und Jugendmedizin an der Harvard Medical School und Direktor des Downsyndrom-Programms am Massachusetts General Hospital (MGH), befragten Mediziner der MGH-Kinderklinik gemeinsam mit Ärzten in den Niederlanden rund 2600 Familien, die einen Sohn oder eine Tochter mit DS haben. Die Kinder waren zur Zeit der Untersuchung zwischen fünf und vierzig Jahren alt. Die Eltern wurden gefragt, in welchem Alter ihr Nachwuchs bestimmte funktionale Fähigkeiten besessen habe.

Es stellte sich heraus, dass die meisten Kinder mit DS im Alter von 25 Monaten laufen konnten, mit 12 Jahren einigermaßen gut sprachen, mit 13 Jahren ihre persönliche Hygiene betrieben und mit 20 Jahren selbstständig arbeiteten. Im Alter von 31 Jahren konnten 49 Prozent ausreichend gut lesen und 46 Prozent ausreichend gut schreiben. Etwa 34 Prozent waren in der Lage, unabhängig zu leben, 30 Prozent verreisten alleine. Die Befragungsergebnisse in den USA waren weitgehend gleich mit denen der Niederlande.

Immer mehr Eltern entschieden sich für die pränatale Diagnostik, was dazu führe, dass eine wachsende Zahl von ihnen vor der Geburt vom Downsyndrom ihres Babys erfahre, erläutert Brian Skotko in dem Bericht. Das werfe bei den Eltern viele Fragen über die zu erwartende Entwicklung des Kindes auf, die ihnen die Ärzte bisher auf Grund fehlender Daten oft nur unzureichend beantworten konnten. Die jetzt vorliegenden Studienergebnisse unterstützten Eltern und Ärzte dabei, den Entwicklungsstand eines Kindes mit #Trisomie21 realistisch einzuschätzen und bei Bedarf frühzeitig therapeutische Hilfe und Fördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Die Blog-Plattform „Motherboard“ hat 27 „Forschende“ – vom Physikprofessor bis zur Schriftstellerin – nach ihren größten Zukunftsängsten und -hoffnungen befragt. An den gesammelten Antworten ist bemerkenswert, dass neben den mehr oder weniger erwartbaren Befürchtungen hinsichtlich Natur und Ökologie (Klimawandel, Rückgang der Biodiversität) ein neuer dystopischer Pavor hervortritt: Furcht vor gesellschaftlicher Dissoziation und dem Verlust persönlicher Integrität und Autonomie gegenüber nichtstaatlichen, privatkapitalisierten Technologie-Hegemonen.

Widerstandsfähigkeit, Neugier und Kreativität der Menschen stehen bei den befragten Denkern auf der Habenseite und geben Anlass zur Hoffnung, dass tragfähige Lösungen für ein achtsames, solidarisches und nachhaltiges Zusammenleben gefunden werden.

Blog-Autorin Becky Ferreira weist übrigens an anderer Stelle auf ein missliebiges, aber noch wenig beachtetes Detail bei der Klimawandel-Folgenabschätzung hin: Steigende Temperaturen bekommen der Braugerste nicht, was in Zukunft zu deutlich höheren Bierpreisen führen dürfte.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sind in Deutschland derzeit fast jede zweite Frau und rund zwei Drittel der Männer übergewichtig. Unter Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent zu dick. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist adipös.

Die im Dezember beschlossene „Nationale Reduktionsstrategie“ des Ministeriums, die zu einer Verringerung des Anteils von Fett, Zucker und Salz in Fertiglebensmitteln führen soll, ist für Kritiker aber bereits jetzt ein Flop: Die Lebensmittelindustrie wird zu nichts verpflichtet, weder zu besseren Rezepturen für ihre Snacks, noch zu einer klareren und verbraucherfreundlicheren Kennzeichnung der Fixgerichte, wie es mit der #Lebensmittelampel in Ländern wie Frankreich und Großbritannien schon lange Praxis ist. Auch die Erfolgskontrolle der Kampagne ist lasch. Im Herbst soll ein „Begleitgremium“ prüfen, inwieweit die Ziele der Aktion erreicht wurden.

Dabei wollen die Deutschen bewusster essen und einkaufen, wie der aktuelle #Ernährungsreport 2019 des Ministeriums („Deutschland, wie es isst“) ermittelt hat: 71 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass Fertigprodukte weniger Zucker enthalten, 68 Prozent wollen weniger Fett und 38 Prozent weniger Salz.

Aber bitte, schmecken muss es schon noch, meint das BMEL. Und Fett ist nun einmal, wie die Lebensmittelproduzenten zu betonen nicht müde werden, der wichtigste Geschmacksträger im Essen. Zucker, vermute ich, ist der zweitwichtigste Geschmacksstifter. „Deutschland, wie es ist und bleibt“ wäre ein treffenderer Titel für den Ernährungsreport. Weiterhin guten Appetit!