Wenn Menschen ihre Sehkraft verlieren oder sogar erblinden, dann ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) die häufigste Ursache. Das gilt zumindest in den westlichen Industrieländern, wo die AMD für ca. 40 Prozent der Neuerblindungen verantwortlich ist.

Die krankhaften Veränderungen in der Netzhautmitte – genauer in der im Zentrum der Makula befindlichen Sehgrube (Fovea centralis), dem Punkt des schärfsten Sehens – treten typischerweise im Alter ab etwa 50 Jahren auf, es können aber auch jüngere Patienten (von einer frühen Form der AMD) betroffen sein. Laut SOS Augenlicht e.V. leiden rund drei Millionen Deutsche an AMD, bei einer weitaus höheren Dunkelziffer.

Tendenziell nimmt die Zahl der Erkrankten zu; nach Schätzungen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) dürfte sie sich bis 2030 verdreifachen. Grund: die steigende Lebenserwartung der Menschen und der damit verbundene Anstieg des relativen Anteils Älterer an der Gesamtbevölkerung. Neben dem Alter gelten Nikotinkonsum und Primärerkrankungen wie Adipositas und Hypertonie als gesicherte Risikofaktoren für das Entstehen einer Makuladegeneration.

Pathologisch handelt es sich bei der AMD um das Absterben der lichtsensitiven Rezeptorzellen (Photorezeptoren) in der Retina. Auslöser ist eine Akkumulation von Stoffwechselendprodukten, wie oxidierten Proteinen und Lipiden, im retinalen Pigmentepithel (RPE), die zu einer Dysfunktion der RPE-Zellen führt. Die RPE-Zellen können dann die darüber liegenden Photorezeptoren nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgen.

Man unterscheidet zwei Formen der altersbedingten Makuladegeneration, die trockene AMD und die feuchte AMD. 85 Prozent der Betroffenen leiden unter der trockenen AMD, die schrittweise zu einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit führt. Sie kann in die (seltenere) feuchte Form der AMD übergehen, die schneller fortschreitet und meist einen irreversiblen Sehverlust zur Folge hat.

Heilbar ist die AMD in beiden Fällen nicht, man kann sie aber durch symptombezogene kurative Maßnahmen aufhalten oder in ihrer Progression zumindest verlangsamen. Bei der sogenannten Anti-VEGF-Therapie werden Medikamente wiederholt direkt in den Glaskörperraum gespritzt. Die VEGF-Inhibitoren verhindern die für die Makula schädliche Neubildung von Blutgefäßen in der Netzhautmitte, indem sie den verantwortlichen Gefäßendothel-Wachstumsfaktor (VEGF) blockieren.

Einem Forscherteam von der Universität Oxford um den Ophthalmologen Prof. Robert MacLaren ist es kürzlich gelungen, bei einer AMD-Patientin erstmals eine Gentherapie durchzuführen, welche die Ursache der Makuladegeneration beheben soll. Dazu wurde ein gentechnisch modifiziertes Virus in die RPE-Zellen der 80-jährigen Patientin injiziert. Die Forscher erwarten, dass das Virus ein spezielles Protein in die RPE-DNA encodiert, das den genetischen Defekt, welcher der AMD zugrunde liegt und zur Überaktivierung des Komplementsystems führt, korrigiert.

Der Ophthalmologie-Blog auf der Seite des Ärztenetzwerks Esanum berichtet über den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Augenheilkunde. So dürften AMD-Patienten das Therapiemonitoring sehr bald alleine zu Hause durchführen können, mit Hilfe eines Retina-Scanners und selbstlernender Algorithmen.

Die Autorin, Augenärztin Dr. Annabelle Eckert, berichtet, dass KI in den USA bereits erfolgreich für die Detektion diabetischer Veränderungen am Augenhintergrund von Patienten eingesetzt werde – ganz ohne Facharzt. Das Programm entscheide autonom, ob der Patient unter einer behandlungsbedürftigen diabetischen Retinopathie leide oder ein Rescreening in 12 Monaten empfohlen werde.

Dr. Eckert verweist auf eine Studie aus dem vergangenen Jahr, die für den Einsatz intelligenter Software bei der Detektion der diabetischen Retinopathie auf Fundusbildern eine Sensitivität und Spezifität von 80 bis 100 Prozent festgestellt habe. Auch in Deutschland, so die Ophthalmologin, stünden bereits an einigen Standorten CE-zertifizierte Retinopathie-Screeninggeräte.

Wer tiefer in das Thema einsteigen will, findet dazu übrigens einen aufschlussreichen Bericht auf aerzteblatt.de.