Dumme Werbung gibt es immer wieder. Sie treibt ihr Unwesen häufig in kleineren digitalen Formaten wie Werbebannern, die sich wiederum gerne in Email-Newslettern verstecken, die mutmaßlich kaum jemand liest. So wie ein aktuelles Banner von DocCheck, dem Informationsportal für Mitglieder der medizinischen und gesundheitsnahen Berufe. Die Anzeige preist ein Produkt für Werbekunden des Portals an, den „DocCheck-Kanal“.

Klicke ich den Balken an, der mit dem Piktogramm eines schmaläugigen asiatischen Menschleins mit Kegelhut und Fächer, dem Text „2020 Das Jahr der Kanalratte“ und einem Button mit der Aufschrift „Ich will mehl…“ bei mir bereits Verständnisfragen aufwirft, gelange ich auf die eigentliche Anzeigenseite. Dort zeigt ein großes Schwarzweißfoto mit bräunlichem Farbstich das Gesicht eines alten, traditionell gekleideten Asiaten, vermutlich eines Chinesen, mit altertümlicher dunkler Hornbrille auf der Nase. Daneben prangt erneut der Text: „2020 Das Jahr der Kanalratte“.

Meine Hoffnung auf ein semantisches Missverständnis, zerstört. Ich stelle mir vor, wie Leser der Anzeige den unschönen Begriff der „Kanalratte“ – klassische Vokabel der Geringschätzung und Abwertung – mit dem „Chinesen“ in Verbindung bringen, wie Bild und Text zur toxischen sinophoben Projektionsfläche werden, wie im Kopf des Betrachters ein wochenschauartig flackernder Film entsteht, in dem es von emsigen, schlauen, im Verborgenen ihre Ziele verfolgenden, gerissenen oder sogar durchtriebenen „Chinesen“ nur so wimmelt.

Mancher könnte diese Werbung für rassistisch halten. „Ach was“, sagt ihm dann vielleicht ein 25-jähriger chinesischer Jungmanager aus Guangzhou, übrigens in astreinem Deutsch. „Die alten Klischees regen doch niemanden mehr auf.“ Warum auch? Schließlich habe seine Firma, ein bei uns nahezu unbekannter chinesischer Internetkonzern, gerade die Mehrheit an der Kölner DocCheck AG übernommen. „Das ist gut für die chinesische Medizinprodukte-Industrie“, weiß der smarte Jungmanager. 

Nach dem chinesischen Horoskop wird 2020 das Jahr der „Metall-Ratte“ sein, das mit dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar beginnt und am 11. Februar 2021 endet. Das Tierkreiszeichen der Ratte in Verbindung mit dem Element Metall bedeutet mythologisch, dass 2020 ein Jahr der Erneuerung und des kraftvollen Neubeginns werden wird. Daran, meine ich, sollten wir Deutsche unbedingt glauben.

Neubeginn, das passt gut zum Thema Start-ups. Die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche hat unzählige Jungunternehmen mit mehr oder weniger innovativen Geschäftsmodellen im Bereich E-Health auf den (Business-)Plan gerufen.

So wie das Berliner Start-up mitunsleben, das in diesen Tagen ein Krankenpflege-Portal ins Netz gestellt hat, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) den Markt für Pflegedienstleistungen „revolutionieren“ soll. Mitunsleben ist allerdings keine klassische Neugründung, sondern ein junges „Joint Venture“ von 16 gemeinnützigen Organisationen, darunter die Johanniter-Unfall-Hilfe, Samariterstiftung, Stephanus Stiftung und Diako Thüringen.

Die nichtkommerzielle digitale Service-Plattform mitpflegeleben.de („Wir sind die Pfadfinder im Pflegedschungel“), will alle relevanten Informationen zum Thema Pflege bündeln und bedarfsgerechte Pflegeangebote an pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen vermitteln. Die Vermittlung ist gebührenfrei, die Angebote stammen direkt von den jeweiligen Pflegedienstleistern. Für die Passgenauigkeit der Angebote soll das integrierte KI-Programm sorgen, welches die konkrete Bedarfssituation der Nutzer analysiert und daraufhin geeignete Leistungserbringer auswählt, von ambulanten oder stationären Einrichtungen über Tages- und Nachtpflege bis zu altersgerechten Wohnangeboten.

Start-ups gibt es auch in Österreich. Dort, genauer in Oberösterreich, in der Donau… nun ja, …-Metropole Linz, wo man die digitale Zukunft schon heute im Museum ausstellt, arbeiten zum Beispiel die Gründer von Storyclash an neuen Modellen für die Beobachtung und Analyse von sozialen Netzwerken. Trotz der kleinen Schweinigelei auf ihrer Homepage – Chat-Avatar „Daniela“ („We speak English too!“) ist im Thumbnail mit freigestellten Riesenboobies zu sehen – verdienen die Social-Web-Detektive Lob und Anerkennung, haben sie doch, für das Fachmagazin „Healthcare Marketing“, eine Rangliste der besten Social-Media-Auftritte von Pharmaunternehmen erstellt. Gemessen und verglichen wurde die Anzahl von Interaktionen (Likes, Shares, Kommentare) durch Nutzer auf den Facebook-, Instagram, Twitter- und Youtube-Seiten der Unternehmen im September.

Ergebnis: Bristol-Myers Squibb (BMS) kommt mit der „Country 2 Country 4 Cancer“-Charity-Aktion (#C2C4C) und über 75.000 Interaktionen auf Platz eins, gefolgt von Pfizer Global und Johnson & Johnson. Dahinter UCB, Abbott, Novo Nordisk, Lundbeck, Fresenius Kabi, GSK Global und Fresenius.

Auch beim Macher von Textdosis, nämlich meiner Person, breitet sich in diesen Tagen das Gründungsfieber aus. Die erhöhte Betriebstemperatur ist darauf zurückzuführen, dass ich mich einem neuen Geschäftsfeld widmen und Textdosis zum 1. Januar „abgeben“ oder besser: in sehr kompetente Hände übergeben werde. Das Redaktionsbüro wird dann (namenloser) Bestandteil einer (namhaften) Content-Marketing-Agentur sein. Aber keine Sorge, für Textdosis-Kunden werde ich eine gewisse Zeit lang weiterhin persönlich zur Verfügung stehen. Ich bedanke mich bei meinen Auftraggebern an dieser Stelle sehr herzlich für die gute und regelmäßige Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahren. Es war eine spannende, aus- und erfüllende Schaffensperiode.

Gleichzeitig freue ich mich sehr auf meine neuen Aufgaben, die in einem ganz anderen Wirtschaftsbereich liegen. Den Schreibtisch werde ich dann öfter mit dem Laptop im Flieger tauschen, denn der neue Job hat einen starken Bezug ins Ausland. Also genau das Richtige, um noch mal durchzustarten.

Tschüss, und bleiben Sie fit!