Blogdosis

Hier wird vom Autor aufdosiert: Lesen Sie regelmäßige Exzerpte aus internationalen Healthcare-Blogs. Welche Themen treiben die unabhängigen Gesundheitsblogger an? Wer sind die Influencer, was liegt im Trend?
Erreger im Auto, Retroviren im Humangenom und HIV im Heimtest

Erreger im Auto, Retroviren im Humangenom und HIV im Heimtest

Was ist der Unterschied zwischen #Sciblogs und #Scilogs? Beides sind populärwissenschaftliche Blogplattformen mit Medizin-Themen, die eine, Sciblogs, in Neuseeland, die andere in Deutschland, als Online-Ableger von „Spektrum der Wissenschaft“ (SdW), dem seit 40 Jahren erscheinenden Science-Magazin aus Heidelberg.

Während hierzulande die Diesel-Abgas-Diskussion auf Verbrennungsschadstoffe wie Stickstoffoxide (NOx) und Feinstaub abhebt, richtet Dr Brendan Moyle, Sciblogs-Autor und Dozent an der neuseeländischen Massey University, sein Augenmerk auf die mikrobielle Belastung in Fahrzeuginnenräumen.

In den hochgradig verkeimten Fahrgastzellen, so argumentiert der Wissenschaftler, verbringe man im Durchschnitt viel mehr Zeit als draußen im Smog. Bakterien auf Lenkrad, Anschnallgurten, Display, Sitzen und Ablagen stellten ein weitaus größeres Gesundheitsproblem dar. Über 700 verschiedene Erregerarten seien einer Studie zufolge in Kraftfahrzeugen nachweisbar, wobei das Steuerrad mit über 600 „koloniebildenden Einheiten“, also Gruppen vermehrungsfähiger Mikroorganismen, die am höchsten kontaminierte Stelle sei – viermal schmutziger als eine öffentliche Toilette. Dr. Moyle gibt im weiteren Verlauf seines Beitrags zahlreiche Tipps für bessere Hygienebedingungen im Auto.

Ganz anders Scilogs: Der „SdW“-Blog glänzt in der Medizin-Rubrik mit einem lesenswerten Post der Berliner Gynäkologin, Immunologin und Neurowissenschaftlerin Dr. @KarinSchumacher anlässlich des Weltkrebstages. Schumacher legt dar, dass #Krebs der evolutionsbiologische Preis ist, den das höhere Säugetier Mensch für eine seiner „Schlüsselinnovationen“ bezahlen muss: die #Plazenta.

Das legen neuere Forschungsergebnisse nahe, die zeigen, dass das epigenetische Aktivierungsmuster (DNA-Methylierung) von Plazentazellen dem von #Tumorzellen, und zwar ausschließlich diesem, sehr ähnlich ist. Mit anderen Worten: Bei der Entstehung von #Krebszellen wird das gleiche Entwicklungsprogramm eingeschaltet wie bei der Bildung des extraembryonalen Gewebes, sprich Plazenta, Fruchtblase und Nabelschnur.

Mit dem Plazenta-Programm wurde auch das Risiko für #Tumorerkrankungen in das #Erbgut der Säuger eingeschrieben; Säugetiere entwickeln vergleichsweise häufig Krebs. Ursache war möglicherweise eine retrovirale #Infektion, schreibt Schumacher.

Für die Ausbildung der Plazenta ist ein spezifisches Gen verantwortlich, das vermutlich durch ein #Retrovirus in die #DNA der #Keimzellen früher Säugetiere vor schätzungsweise 150 Millionen Jahren codiert wurde – evolutionäre Blaupause für die (parasitäre) #Symbiose zwischen Mensch und #Viren. Die vollständige #Sequenzierung des menschlichen Erbguts habe ergeben, so die Autorin, dass neun Prozent des humanen Genoms von Viren, hauptsächlich Retroviren, stammten.

Bis sich aus diesen Erkenntnissen neue #Gentherapien gegen #Tumorerkrankungen gewinnen lassen, werde noch viel #Forschung nötig sein. Bis dahin, meint Schumacher, bleiben uns außer kurativen Maßnahmen vor allem die #Primärprävention (in Form einer möglichst gesunden Lebensweise) und die #Früherkennung als Mittel im Kampf gegen den Krebs.

Apropos „Spektrum der Wissenschaft“: Lohnenswert ist ein Blick in den Twitter-Kanal von @LarsFischer, Scilogs-„Overlord“ und Redakteur bei „Spektrum.de“. O-Ton: „Wenn man beim Recherchieren nicht ein-, zweimal seine Ansicht ändert, recherchiert man möglicherweise schlecht.“ Sehr unterhaltsame Videos von Fischer sind in seinem YouTube-Kanal „Wir werden alle sterben“ zu finden.

Vom Fischblog virtuell nicht weit entfernt sendet das Wirkstoffradio der Berliner Wissenschaftler André Lampe und Bernd Rupp. Lampe ist promovierter Physiker, war am Leibniz-Forschungsinstitut für molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin tätig und arbeitet heute als freier Wissenschaftler; Rupp ist Doktor der Pharmazeutischen Chemie und Chemieinformatiker am FMP. Wirkstoffradio ist ein #Podcast („Zur Anwendung im Ohr“), der sich in Gesprächs- und Diskussionsform unterschiedlicher Themen auf dem multidisziplinären Feld der #Wirkstoffforschung annimmt. In ihrer aktuellen Episode hinterfragen die Wahlberliner kritisch die Statistik zur Genauigkeit der seit Oktober frei verkäuflichen HIV-Selbsttests.

Auf Basis der verfügbaren Zahlen aus dem epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts, „Schätzung der Zahl der HIV-Neu­in­fek­tionen und der Gesamt­zahl von Menschen mit HIV in Deutschland“ (Stand 2017), versuchen sie, die Aussagen der Medizinproduktehersteller in den Gebrauchsinformationen ihrer Schnelltests mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung nachzuvollziehen – und entlarven sie, wie zuvor bereits das Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), als „Unstatistik“ des Monats (Januar 2019).

Denn die Angaben in einzelnen Beipackzetteln, wonach die „Genauigkeit“ des Tests bei über 99 Prozent liege, lasse den Anwender glauben, ein positives Testergebnis bedeute mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass er tatsächlich eine HIV-Infektion habe. Das treffe jedoch bei weitem nicht zu: Berechne man die maßgebliche, für den Anwender entscheidende Größe, nämlich den „positiven prädikativen Wert“, so liege dieser nur bei 1,6 Prozent. Das bedeute, dass von 63 Menschen, deren Test positiv ausfalle, nur ein einziger tatsächlich eine Infektion habe. Das Diktum HIV-Infektion“ sei für Menschen, die den Test alleine zu Hause durchführten, ohne fachliche Beratung, und die nicht mit der Möglichkeit eines falsch-positiven Resultats rechneten, schlicht eine psychologische Katastrophe.

Die Podcast-Autoren halten die HIV-Selbsttests denn auch für wenig sinnvoll, zumal sie Infektionsereignisse erst drei Monate danach anzeigen können – inzwischen also wertvolle Zeit verstrichen ist, die bereits für therapeutische Interventionen hätte genutzt werden können. Wirkstoffradio empfiehlt Menschen, die ihren Immunstatus auf Verdacht hin prüfen möchten, einen anonymen #HIVTest bei einer der einschlägigen Beratungsstellen vornehmen zu lassen; diese seien präziser und schneller als die Testkits aus Drogeriemärkten oder Internet.

Das Wirkstoffradio ist übrigens auch auf der Podcastseite wissenschaftspodcasts.de vertreten, die in ihrer Rubrik „Medizin“ das ebenfalls hörenswerte Audioblog „The Random Scientist“ anbietet. Die „Zufallswissenschaftler“ sind die Herren Dres. Stefan Dillinger in Regensburg und Dominic Helm in Heidelberg, beide Biochemiker. In ihren Hörfeatures behandeln sie Grundlagen- und Hintergrundthemen zur Biologie, von der menschlichen Immunreaktion auf CRISPR über Dunkelreaktionen der Photosynthese bis zum Mikrobiom von Babys.

Schauen wir zum Schluss noch einmal in die englischsprachige Blogosphäre. Auf Reddit, dem Social-News-Aggregator, hat der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (@WHO), wonach sich die Zahl der #Maserninfektionen in Europa 2018 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht hat, die Impfbefürworter auf den Plan gerufen. Ein News-Post über die Mitschuld der  Anti-Impf-Bewegung an der weltweiten Wiederausbreitung der #Masern gehört aktuell zu den populärsten Meldungen auf Reddit und findet 95 Prozent Zustimmung unter den Usern.

Bisher konnte man den Eindruck gewinnen, die notorischen #Impfgegner eroberten in den sozialen Medien schleichend die virtuelle Meinungsführerschaft. Erstarken jetzt die auf Evidenz und Vernunft bauenden „Pro Vaxxers“? Verdienstvolle Aufklärungsseiten wie „Vaxopedia“ (@twitter) tragen sicher ihren Teil dazu bei.

 

 

Neonatologie in Singapur, Gehirne in der Petrischale und Bier im Klimawandel

Neonatologie in Singapur, Gehirne in der Petrischale und Bier im Klimawandel

Die Neugeborenenmedizin hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, sowohl was die apparative Diagnostik als auch die verfügbaren Medikamente und Therapiegeräte angeht. Profitiert hat vor allem die #Neonatologie, bei der die Behandlung von Frühgeborenen im Mittelpunkt steht. Die Überlebenschancen der winzigen Patienten sind gestiegen, dennoch ist die Situation in Deutschland unbefriedigend: Die #Frühgeborenenrate ist mit knapp neun Prozent eine der höchsten im europäischen Vergleich. Es mangelt hierzulande an geeigneten Präventionsmechanismen, um die (bekannten) Risikofaktoren für #Frühgeburten zu reduzieren.

Einen interessanten Überblick über die neuesten internationalen Entwicklungen in der Peri- und Neonatologie verspricht die 14. „Hot Topics in Neonatal Medicine“ vom 12. bis 14. Februar 2019 in Dschidda in Saudi-Arabien. Abstracts können noch bis 12. Januar eingereicht werden, Anmeldung zur Konferenz hier.

Vorgesehene Themen der Veranstaltung im örtlichen Ritz-Carlton-Hotel, zu der über 1000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden, sind unter anderem die neonatale Lungeninsuffizienz (#AcuteRespiratoryDistressSyndrome, kurz ARDS, bei Frühgeborenen nach der Montreux-Definition), die Ultraschall-Diagnostik der Lunge, das Hämodynamik-Monitoring sowie die Behandlung von Hypotonie und Schock.

Wem der Weg in den Wüstenstaat zu weit ist, der schafft es vielleicht zum #Perinatalsymposium 2019 unter der Überschrift „Neonatologie im Wandel“ am 10. und 11. Mai in der Universitätsfrauenklinik Maistrasse in München. Besonderheit: Ein Workshop, in dem Notfälle im Kreißsaal simuliert werden (begrenzte Teilnehmerzahl). Das Symposium steht unter dem Schirm der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (#GNPI), welche wiederum zu ihrer 45. Jahrestagung vom 23. bis 25. Mai 2019 in die Kongresshalle am Zoo Leipzig einlädt.

International wird es wieder beim #OGP (Obstetrics, Gynecology & Pediatrics) World Congress 2019 am 29. und 30. Juli in Singapur.

Der Stadtstaat #Singapur sieht sich als führender Innovationsstandort  und verfügt über wenige aber hervorragende Universitäten. Die #NationalUniversityOfSingapore (NUS) schneidet in internationalen Rankings regelmäßig sehr gut ab. Die #NanyangTechnologicalUniversity (NTU) ist ebenfalls exzellent und unterhält in Partnerschaft mit dem Imperial College London die neu eingerichtete #LeeKongChianSchoolOfMedicine. Die ersten Absolventen haben 2018 ein fünfjähriges Programm abgeschlossen.

Laut #TimesHigherEducationWorldUniversityRankings (2017) liegt die NUS auf Platz 24, die NTU liegt auf Platz 54 und wurde 2015 als „the fastest rising young university in the world” bezeichnet.

Als beste Hochschule für das Studium der Kinder- und Jugendmedizin weltweit gilt die US-amerikanische #HarvardUniversity, genauer die #HarvardMedicalSchool. Sieht man vom pediatrischen Fachgebiet ab, rangiert Harvard in den Ranglisten medizinischer Fakultäten auf dem zweiten (hinter der Universität von #Oxford in Großbritannien) bis sechsten Platz (hinter Oxford, der Universität von #Cambridge, ebenfalls in Großbritannien, sowie den US-amerikanischen Hochschulen #Stanford, Massachusetts Institute of Technology, kurz #MIT, und California Institute of Technology, kurz #Caltech).

“Times Higher Education“ (#THE) zufolge ist die beste deutsche Hochschule für Medizin die Ludwig-Maximilians-Universität München (#LMU München), andere Rankings wie das vom Centrum für Hochschulentwicklung (#CHE) sehen dagegen die #UniversitätHeidelberg vorne; ebenfalls gelistet sind die #Charité in Berlin und die #TechnischeUniversitätMünchen.

Übrigens gehört die Kinder- und Jugendmedizin zur zweitbeliebtesten Facharztrichtung unter Medizinstudenten in Deutschland, nach dem Fach Innere Medizin. Unbeliebteste medizinische Fachrichtung sind die Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologie). So jedenfalls konstatiert es der Blog der Mediziner-Seite „praktischArzt“.

Schauen wir wieder auf die großen Universitäten und ihre Neuigkeiten aus der medizinischen Forschung. #Oxford bringt auf seiner News-Seite einen noch im vergangenen Jahr auf „The Conversation“ erschienenen Essay der australischen Biomedizin-Ethiker Julian Koplin und Julian Savilescu, die beide zur Zeit am Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne arbeiten; der Mediziner und Neurowissenschaftler Savilescu hat in Oxford den „Uehiro“-Lehrstuhl für praktische Ethik inne.

In ihrem Beitrag setzen sich die beiden Wissenschaftler mit den ethischen Fragen der Züchtung von #GehirnOrganoiden aus menschlichen #Stammzellen auseinander.

Zwar ist die Erzeugung zerebraler Mikrostrukturen im Labor, einschließlich funktionierender Neuronenverbindungen, bereits seit einigen Jahren möglich. Doch die jüngsten Fortschritte bei der Entwicklung von „Mini-Gehirnen“ verstärkten die Notwendigkeit ethisch-moralischer Regeln für die #Biomedizin, so Koplin und Savilescu.

Neurowissenschaftlern der Universität von Kalifornien in San Diego, USA, war es im November gelungen, Cortexgewebe zu züchten, das elektrische Impulsmuster ähnlich denen im Gehirn frühgeborener Babies (zwischen der 25. und 39. Schwangerschaftswoche) aufweist. Dieselben Forscher sind nun dabei, zerebrale #Organoide in Mikroroboter zu implantieren. Auch an der Übertragung humaner #Gehirnzellen in das Cerebrum von Ratten wird geforscht.

Koplin und Savilescu räumen ein, dass die Forschung an Labor-Gehirnen durchaus einem moralischen Zweck diene: Durch ein tieferes Verständnis der #Gehirnentwicklung und der Entstehung neurologischer Erkrankungen wie Morbus #Alzheimer, #Autismus oder #Schizophrenie könnten deren Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden. Besorgnis löst bei den Autoren jedoch die Möglichkeit aus, dass die Gehirn-Organoide eines Tages ein menschenähnliches Bewusstsein entwickeln. Für den Umgang mit denkenden und fühlenden Neuronenclustern, die eigene moralische Interessen besäßen, gebe es noch keinerlei ethische Regeln.

Die beiden Wissenschaftler fordern ein ethisches Regelwerk, dessen Fundament in der grundsätzlichen Annahme besteht, dass zerebrale Organoide, deren elektrische Aktivitäten diejenigen eines 20 Wochen alten Fötus übersteigen, ein Bewusstsein haben und deshalb nicht als „biologisches Material“, sondern als wahrnehmende Wesen behandelt werden müssen. Darüber hinaus, so Koplin und Savilescu, sollten die ethischen Regeln Daseinsbedingungen für die #Gehirnoide definieren, die ihrer moralischen Existenz angemessen seien.

Harvard berichtet auf seiner News-Seite über eine aktuelle Untersuchung, die zeigt, dass Menschen mit #Downsyndrom (DS) ihr Leben lang hinzulernen und auch im Erwachsenenalter funktionale Fähigkeiten erwerben können.

Unter der Leitung von Brian Skotko, Professor für Kinder- und Jugendmedizin an der Harvard Medical School und Direktor des Downsyndrom-Programms am Massachusetts General Hospital (MGH), befragten Mediziner der MGH-Kinderklinik gemeinsam mit Ärzten in den Niederlanden rund 2600 Familien, die einen Sohn oder eine Tochter mit DS haben. Die Kinder waren zur Zeit der Untersuchung zwischen fünf und vierzig Jahren alt. Die Eltern wurden gefragt, in welchem Alter ihr Nachwuchs bestimmte funktionale Fähigkeiten besessen habe.

Es stellte sich heraus, dass die meisten Kinder mit DS im Alter von 25 Monaten laufen konnten, mit 12 Jahren einigermaßen gut sprachen, mit 13 Jahren ihre persönliche Hygiene betrieben und mit 20 Jahren selbstständig arbeiteten. Im Alter von 31 Jahren konnten 49 Prozent ausreichend gut lesen und 46 Prozent ausreichend gut schreiben. Etwa 34 Prozent waren in der Lage, unabhängig zu leben, 30 Prozent verreisten alleine. Die Befragungsergebnisse in den USA waren weitgehend gleich mit denen der Niederlande.

Immer mehr Eltern entschieden sich für die pränatale Diagnostik, was dazu führe, dass eine wachsende Zahl von ihnen vor der Geburt vom Downsyndrom ihres Babys erfahre, erläutert Brian Skotko in dem Bericht. Das werfe bei den Eltern viele Fragen über die zu erwartende Entwicklung des Kindes auf, die ihnen die Ärzte bisher auf Grund fehlender Daten oft nur unzureichend beantworten konnten. Die jetzt vorliegenden Studienergebnisse unterstützten Eltern und Ärzte dabei, den Entwicklungsstand eines Kindes mit #Trisomie21 realistisch einzuschätzen und bei Bedarf frühzeitig therapeutische Hilfe und Fördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Die Blog-Plattform „Motherboard“ hat 27 „Forschende“ – vom Physikprofessor bis zur Schriftstellerin – nach ihren größten Zukunftsängsten und -hoffnungen befragt. An den gesammelten Antworten ist bemerkenswert, dass neben den mehr oder weniger erwartbaren Befürchtungen hinsichtlich Natur und Ökologie (Klimawandel, Rückgang der Biodiversität) ein neuer dystopischer Pavor hervortritt: Furcht vor gesellschaftlicher Dissoziation und dem Verlust persönlicher Integrität und Autonomie gegenüber nichtstaatlichen, privatkapitalisierten Technologie-Hegemonen.

Widerstandsfähigkeit, Neugier und Kreativität der Menschen stehen bei den befragten Denkern auf der Habenseite und geben Anlass zur Hoffnung, dass tragfähige Lösungen für ein achtsames, solidarisches und nachhaltiges Zusammenleben gefunden werden.

Blog-Autorin Becky Ferreira weist übrigens an anderer Stelle auf ein missliebiges, aber noch wenig beachtetes Detail bei der Klimawandel-Folgenabschätzung hin: Steigende Temperaturen bekommen der Braugerste nicht, was in Zukunft zu deutlich höheren Bierpreisen führen dürfte.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sind in Deutschland derzeit fast jede zweite Frau und rund zwei Drittel der Männer übergewichtig. Unter Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent zu dick. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist adipös.

Die im Dezember beschlossene „Nationale Reduktionsstrategie“ des Ministeriums, die zu einer Verringerung des Anteils von Fett, Zucker und Salz in Fertiglebensmitteln führen soll, ist für Kritiker aber bereits jetzt ein Flop: Die Lebensmittelindustrie wird zu nichts verpflichtet, weder zu besseren Rezepturen für ihre Snacks, noch zu einer klareren und verbraucherfreundlicheren Kennzeichnung der Fixgerichte, wie es mit der #Lebensmittelampel in Ländern wie Frankreich und Großbritannien schon lange Praxis ist. Auch die Erfolgskontrolle der Kampagne ist lasch. Im Herbst soll ein „Begleitgremium“ prüfen, inwieweit die Ziele der Aktion erreicht wurden.

Dabei wollen die Deutschen bewusster essen und einkaufen, wie der aktuelle #Ernährungsreport 2019 des Ministeriums („Deutschland, wie es isst“) ermittelt hat: 71 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass Fertigprodukte weniger Zucker enthalten, 68 Prozent wollen weniger Fett und 38 Prozent weniger Salz.

Aber bitte, schmecken muss es schon noch, meint das BMEL. Und Fett ist nun einmal, wie die Lebensmittelproduzenten zu betonen nicht müde werden, der wichtigste Geschmacksträger im Essen. Zucker, vermute ich, ist der zweitwichtigste Geschmacksstifter. „Deutschland, wie es ist und bleibt“ wäre ein treffenderer Titel für den Ernährungsreport. Weiterhin guten Appetit!

 

 

Neues aus internationalen Healthcare-Blogs: Diabulimie, drohender Insulin-Mangel und pränataler Alkoholkonsum

Neues aus internationalen Healthcare-Blogs: Diabulimie, drohender Insulin-Mangel und pränataler Alkoholkonsum

Sagt Ihnen #InsulinPurging etwas? Das ist die englische Umschreibung eines gefährlichen Trends, der sich bei jungen Typ 1-Diabetikern, und hier vor allem bei jungen Frauen, ausbreitet: das absichtliche Weglassen der medizinisch notwendigen Insulininjektionen, um Körpergewicht zu verlieren, um “schlank” zu bleiben oder zu werden. Die vermeintliche und riskante Logik dahinter: „Insulin macht mich dick, also verzichte ich darauf.“ (Anmerkung: Bei richtiger Einstellung bewirken Antidiabetika keine Gewichtszunahme.) Das gesundheitsgefährdende „Insulinsparen“ geht häufig mit einem gestörten Essverhalten einher, weshalb der gesamte Verhaltens- und Symptomkomplex als #Diabulimie bezeichnet wird, ein Kompositum aus Diabetes und Bulimie.

Diese noch wenig bekannte Erkrankung macht der von Amy Tenderich in den USA ins Leben gerufene Blog #DiabetesMine zum Thema, und zwar mit einem Gastbeitrag der Aktivistin Erin Akers. Früher selbst Betroffene, gründete Akers vor zehn Jahren die #DiabulimiaHelpline als Nonprofit-Organisation. Im November dieses Jahres veranstaltete sie die „1st International Conference on Diabetes and Eating Disorders“ (@DBHcon18) in New Orleans, die mit jeweils eigenen Programmen sowohl Mediziner und Therapeuten wie auch Patienten ansprach und dabei einen lebendigen Austausch zwischen beiden Gruppen ermöglichte.

Zu den Gastrednern der Konferenz gehörte Dr. #OvidioBermudez, Medizinischer Direktor und Leiter der klinischen Fortbildung am Eating Recovery Center in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Bermudez gilt wegen seiner Methode zur schrittweisen Insulin-Rückgewöhnung, die in zahlreichen Behandlungszentren angewendet wird, als Kapazität auf dem Gebiet der Diabulimie-Therapie. Die Psychologin Dr. #AnnGoebelFabbri, früher Lehrbeauftragte an der #HarvardMedicalSchool und Mitarbeiterin am #JoslinDiabetesCenter in Boston, hielt einen Vortrag über die Prävention und Behandlung von Essstörungen, die mit Typ 1-Diabetes assoziiert sind.

Auf Grund des Erfolges der ersten Konferenz wird es eine zweite im kommenden Jahr geben, und zwar vom 20. bis 22. September 2019 im kalifornischen San Diego.

Wenn Diabetiker in den USA ihr Insulin rationieren, kann das einen ganz anderen Grund als eine Essstörung haben: Geld. Auf Twitter tauchen immer wieder einmal entsprechende Hinweise auf, wie der von #BenWikler, Washingtoner Aktivist der basisdemokratischen Bewegung #MoveOn, die sich unter anderem für Verbesserungen im amerikanischen Gesundheitssystem einsetzt.

Wikler hebt auf eine Meldung des unabhängigen TV-Senders #RTV6 in Indianapolis ab. Dort wird von einer jungen Frau berichtet, einer Typ 1-Diabetikerin, die ihre Insulinversorgung aus finanziellen Gründen einschränken musste, als sie College-Studentin war. Eine Monatsration des Wirkstoffs koste sie rund 1000 Dollar. Selbst heute, mit einem Vollzeitjob und einer Krankenversicherung, sei sie auf die Hilfe von Verwandten und kostenlose Insulin-Muster ihres Arztes angewiesen, teilt die Frau in dem Beitrag mit. Zitiert wird darin auch eine Studie der #Yale University, wonach 25 Prozent der Diabetes-Patienten ihr Insulin rationieren müssen, weil es zu teuer für sie ist.

Zu diesem Thema ist ein Beitrag des in Seattle tätigen Endokrinologen Irl Hirsch (@IrlHirsch) nach wie vor lesenswert, den er früher in diesem Jahr auf STAT gepostet hat.

Sorgen um das Insulin macht sich angesichts eines drohenden Hard Brexit derzeit auch mancher britische Diabetiker, darunter Premierministerin #TheresaMay: Bei einem ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, so wird in zahlreichen Tweets spekuliert, könnten auf der Insel rasch die Medikamente ausgehen.

Die Neudiagnosen von Typ 1-Diabetes unter Kindern bis 14 Jahren nehmen in Europa zu: im Durchschnitt um 3,4 Prozent jährlich. Das hat eine im Fachjournal #Diabetologia Ende November veröffentlichte Studie ergeben, in der die Daten des europäischen Typ 1-Diabetes-Registers #EURODIAB für den Zeitraum von 1989 bis 2013 untersucht wurden.

Die für Deutschland verfügbaren Zahlen zu Neuerkrankungen betreffen Sachsen (jährlicher Anstieg um 4,4 Prozent), Baden-Württemberg (4,1 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (2,6 Prozent). Als Ursachen für den Ausbruch eines Typ 1-Diabetes bei Menschen mit einer entsprechenden genetischen Disposition vermuten Forscher verschiedene Umweltfaktoren, darunter bestimmte Viren und Mikroorganismen.

Die steigende Diabetes-Typ 1-Inzidenz in Sachsen und Baden-Württemberg mag erklären, warum die Menschen dort ein besonders großes Interesse an dem von #NovoNordisk zum 1. Dezember in Deutschland wiedereingeführten Basalinsulin-Analogon #Tresiba (Insulin degludec) zeigen, folgt man der Beliebtheit des Suchbegriffs bei Google in den letzten Wochen.

Anfang 2016 hatte Novo Nordisk das Präparat vom deutschen Markt genommen, da es seine Preisvorstellungen gegenüber den Krankenkassen nicht durchsetzen konnte. Der G-BA hatte dem Arzneistoff keinen Zusatznutzen im Vergleich zu etablierten Insulinbehandlungen zugesprochen. Das langwirksame Basalinsulin war hierzulande nur als Import erhältlich. Nach neuen Studiendaten, die den klinischen Nutzen von Insulin degludec bestätigen, und dem Aufruf des G-BA zur erneuten Nutzenbewertung entschied Novo Nordisk das Comeback des Diabetesmedikaments – nicht zuletzt angesichts einer nach eigenen Angaben anhaltend hohen Nachfrage in Deutschland.

Die weltweit wachsende Zahl insulinpflichtiger Typ 2-Diabetiker sieht sich mit einem drohenden Insulin-Mangel konfrontiert, wie eine im #Lancet Diabetes & Endocrinology-Journal im November veröffentlichte Studie zeigt. Demnach werden bis 2030 – also in 12 Jahren – rund 40 Millionen Typ 2-Diabetiker keinen Zugang zu dem medizinisch benötigten Wirkstoff haben.

Themenwechsel: Ernährung ist nicht nur für Diabetiker eine wichtige (änderbare) Einflussgröße, sondern auch für Frauen in der Schwangerschaft. Im aktuellen Post ihres Gesundheitsblogs gibt die von mir geschätzte französische Medizinjournalistin #VanessaPageot Empfehlungen für gesundheitsbewusstes Essverhalten, wenn man ein Baby bekommt: „Kein Sushi, kein Rohmilchkäse und keinen Tropfen Alkohol.“

Sushi, namentlich der darin enthaltene rohe Fisch, birgt die Gefahr einer Infektion mit Listerien, bakterielle Erreger, die für Mutter und Kind gefährlich werden können. Die Listeriose ist in Deutschland meldepflichtig, aber schwer zu diagnostizieren, weshalb der Einsatz von Antibiotika häufig zu spät erfolgt. Die Zahl der Infektionen bei Menschen in Folge des Verzehrs verdorbener oder verschmutzter Lebensmittel ist in den letzten Jahren in Europa angestiegen.

In Rohmilch und nicht pasteurisiertem Käse sind es salmonellenartige Bakterien, die zu Erkrankungen führen und während einer Schwangerschaft die Gesundheit des Fötus gefährden können. Risikofaktor Nummer eins für die vorgeburtliche Entwicklung eines Kindes ist laut Vanessa Pageot in Frankreich der Alkoholkonsum. Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) sei der französischen Gesundheitsagentur (#SantéPubliqueFrance) zufolge die Hauptursache für körperliche Missbildungen und geistige Behinderungen bei Neugeborenen. Die Agentur hat im September eine Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne über die Risiken von Alkoholkonsum während Schwangerschaft und Stillzeit gestartet.

Experten in Großbritannien gehen davon aus, dass ihr Land, nicht Frankreich, eine der weltweit höchsten FAS-Raten zu beklagen habe. So auch fünf britische Wissenschaftlerinnen, die sich in ihrem gemeinsamen Post auf der Social-News-Plattform #TheConversation der Problematik widmen. Sie beziehen sich auf eine im vergangenen Jahr in The Lancet veröffentlichte Studie, an der auch der deutsche Psychologe Dr. #JürgenRehm mitgewirkt hat. Der in Mannheim promovierte Rehm ist Professor im kanadischen Toronto, Leiter der epidemiologischen Forschung an der TU Dresden und Drogenmissbrauchsexperte der WHO. Der Studie zufolge konsumieren 41 Prozent der britischen Frauen während ihrer Schwangerschaft Alkohol, 19 Prozent trinken exzessiv.

Die Autorinnen kritisieren die aktuellen Gesundheitsempfehlungen der Behörden, die ihrer Meinung nach zu liberal ausfallen und schwangeren Frauen anstelle des früher propagierten Alkoholverzichts lediglich die Vermeidung von Alkohol nahelegten, was den gelegentlichen Konsum geringer Mengen nicht ausschließe. So glaube die Mehrzahl der werdenden Eltern im Vereinigten Königreich, dass eingeschränkter Alkoholgenuss der Mutter während der Schwangerschaft keinen gesundheitlichen Schaden beim Kind hervorrufe.

Erschwerend komme hinzu, dass es in Großbritannien kein einheitliches System zur Überwachung der Prävalenz von Alkoholkonsum bei Schwangeren gebe. Zwar fragten Ärzte und Hebammen die Frauen danach, die Informationen würden jedoch nicht gespeichert. Die fehlenden Daten verhinderten eine frühe Diagnose der fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD).

Kanada und Australien, schreiben die Wissenschaftlerinnen, seien Vorbilder für eine bessere Strategie zur FASD-Prävention. In Kanada werde ein Vier-Stufen-Modell praktiziert, in dem junge Frauen und werdende Mütter frühzeitig über die Gesundheitsrisiken bei pränatalem Alkoholgenuss aufgeklärt und informiert werden.

Wie die Alkoholstrategie der EU aussieht, das kann man auf #Euractiv in den Beiträgen des unermüdlichen Sarantis Michalopoulos nachlesen.

 

 

Impfende Apotheker, Hasch-Aktien und komische Superhelden

Impfende Apotheker, Hasch-Aktien und komische Superhelden

„Deutschland sucht den Grippe-Impfstoff“ (#NeuesDeutschland): Lieferengpässe beim Influenza-Impfstoff in vielen Teilen Deutschlands sind ein Thema auch in den sozialen Medien. Der bessere Vierfach-Impfstoff als Kassenleistung hat die Nachfrage in die Höhe getrieben, hinzu kommt eine in vielen Fällen fehlerhafte Bestell- und Bevorratungspraxis – fertig ist die #Impfmittelknappheit.

Seit Wochenanfang stieg die Anzahl der Postings zum Thema von 0 auf 170, verfasst von insgesamt 50 Autoren auf Twitter, Instagram und in diversen Blogs. Rund die Hälfte der Beiträge ist positiv (bereits Geimpfte, generelle Impfbefürworter), die andere Hälfte negativ („Missmanagement“, „Behördenversagen“, generelle Impfgegner). Auch ironischer Spott hat seinen Platz. Zu drei Vierteln melden sich Männer zu Wort.

Im europäischen Ausland sind Versorgungsengpässe kein Thema. In Großbritannien widmen sich in dieser Woche (bis Donnerstag) 115 Onlinebeiträge dem #flushot, drei Viertel davon mit positivem Tenor. Mit über 350 Postings in demselben Zeitraum diskutieren die Franzosen den #Grippeschutz am engagiertesten, sie zeigen außerdem ein konstantes Interesse. 60 Prozent der Beiträge sind positiv; erörtert werden die (wenn auch geringe) Möglichkeit einer #Impfpflicht gegen Influenza sowie die Durchführung der Impfungen in Apotheken.

Diese werden in Frankreich seit Oktober tatsächlich in zwei westlichen Départements – Charente (Präfektur Angoulême) und Charente-Maritimes (La Rochelle) – versuchsweise angeboten. Mit wachsendem Erfolg: Seither wurden über 100.000 Menschen gegen Vorlage eines offiziellen Impfgutscheins in Apotheken gegen Influenza geimpft, während es in der gesamten Impfsaison 2017 nur 50.000 Menschen waren. Rund 70 Prozent der regionalen Apotheken nehmen an dem Experiment teil und verabreichen den Grippe-Impfstoff.

In Deutschland sind in dieser Woche, außer den möglichen Nebenwirkungen der Influenza-Impfung, #Antibiotika ein gefragtes Thema (Google). In ca. 1500 Onlinebeiträgen (seit Montag) geht es um den sorglosen Umgang mit dieser Arzneimittelgruppe, die Zunahme antibiotikaresistenter Erreger, die Entwicklung neuer Vakzine und mögliche alternative Behandlungswege.

Auslöser dieser „Buzz Cloud“ war die #World Antibiotic Awareness Week (WAAW) der Weltgesundheitsorganisation (#WHO) in der Vorwoche, mit Kulminationspunkt am #Welt-Antibiotika-Tag, der auch eine vom #ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) gesponserte europäische Variante hatte.

Hierzulande wurde die WHO-Kampagne durch vielgestaltige Beifahrer-Kommunikation begleitet, beispielsweise die Aktion #Antibiotika-Alternativen des vom G-BA Innovationsfonds geförderten Projekts #ARena – Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden (siehe #Technokratensprache), das – unter Beteiligung der #AgenturDeutscherArztnetze, der AOK und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns – vom aQua-Institut geleitet wird. Aqua was? Dahinter steht ein gut vernetztes Göttinger Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt in der „angewandten Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen“. Den politischen Überbau für das Projekt „ARena“ bildet die #DeutscheAntibiotikaResistenzstrategie (#DART2020) der Bundesregierung.

Weit weniger professionell verlief dagegen die soziale Kommunikation der Initiative  “Besser Leben mit Labor“ (bitte nicht verwechseln mit „Live better with Labour“) der Branchenfachverbände der Diagnostiker, sprich Akkreditierte Labore in der Medizin e.V. (#ALM) und Verband der Diagnostica-Industrie e.V. (#VDGH). Sie schickten ein marveleskes 3D-Maskottchen namens „D-Man“ in den Kampf gegen multiresistente Keime, und zwar auf Berliner U-Bahn-Plakaten und im Netz. Das Hashtag fürs Männle auf Twitter lautet #DMan – und bekam prompt unpassende Konkurrenz. Don’t forget your hashtag check!

Denn im Twitter-Thread von D-Man macht sich nun bereits weit vorne ein gewisser „Scotty Swashbuckeler“ (#DMAN) breit. Und Scotty hat mit einer ganz anderen Art der Diagnose zu tun, nämlich mit der Aktienanalyse und -bewertung. Deshalb postete er viele launige Charts und macht unmissverständlich klar: „We’ve only just begun…“.

Scotty wirbt für außerbörslich (zum Beispiel am Telefon) gehandelte Anteile an der Innovativ Media Group (INMG), eine Multimedia-Firma in Los Angeles. Die hat vor kurzem nicht nur die kalifornische Health- und Wellness-Boutique Demand Brands Inc. (DMAN) übernommen, sondern ist gleichzeitig in diverse kanadische Cannabis-Outlets investiert, wie CannaNet.TV. Klare Sache: Kaufempfehlung!

Kanada hat im Oktober als erstes Industrieland den Verkauf und Konsum von Cannabisprodukten legalisiert, seitdem schießen die Marihuana-Aktien in die Höhe. Der Berliner Superheld D-Man sollte sich fragen, ob er nicht besser in Kanada als „Dope-Man“ Karriere macht.

Auch bei uns kommt das Thema #Cannabis langsam in Fahrt. „Cannabis ist verboten, weil es illegal ist“, tautologisierte Marlene Mortler (CSU), in den sozialen Medien überdurchschnittlich stark vertretene Drogenbeauftragte der Bundesregierung, noch im vergangenen Jahr (seitdem Twitter-Pause). Inzwischen sehen viele Politiker das anders. Die Cannabis-Freigabe für Patienten ist Indikator für die wachsende Normalisierung im Umgang mit den Hanf-Cannabinoiden, die über kurz oder lang zu einer (kontrollierten) Abgabe von Cannabis als Genussmittel führen dürfte. In einer aktuellen Online-Umfrage des Berliner #Tagesspiegel rechnen knapp 40 Prozent der Teilnehmer damit, dass Cannabis innerhalb der nächsten sechs Jahre in Deutschland vollständig legalisiert wird.

In den sozialen Medien erreicht das Thema Cannabis-Medizin in dieser Woche mit 147 Postings (bis Donnerstag) in Foren und Blogs sowie auf Twitter, Instagram, Flickr und Pinterest ein neues Halbjahreshoch. Kommentiert werden die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (#BfArM) für den Anbau von Medizinal-Hanf in Deutschland und die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (#GSAV) geplante Vereinfachung der Cannabisverordnung. Auch der Vorstoß der Grünen im Bundestag, den sogenannten Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen zu streichen, weil sie zu viele Anträge von Patienten auf Cannabis als Medikament ablehnten, findet sich in den Netzkommentaren wieder.

Einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks, demzufolge die analgetische Wirkung von Cannabis durch Studien bisher nicht eindeutig belegt ist, kontert #HanfHeilt.net mit anderslautenden Studienergebnissen und einem Statement von Prof. Dr. @RainerSchmid, Chemiker und Toxikologe an der Universitätsklinik der Stadt Wien: „Der Vorwurf der fehlenden Wirksamkeit wegen fehlender klinischer Studien ist absurd.“ Einen Überblick über neuere Studien zur Wirksamkeit von Medizinal-Hanf in der Schmerztherapie liefert Bloggerin Celine Stubentor vom #THC.Guide.

Eine Apotheke in Hürth bei Köln bietet übrigens auf ihrer Seite “Cannabis-Apotheke” tagesaktuelle Verfügbarkeitsdaten für verschiedene Hanf-Blütensorten.

In Kanada indessen sehen Experten die Legalisierung von Cannabis als möglichen Ausweg aus der Opioid-Schmerzmittel-Krise. Hoffnung diesbezüglich auch in den USA: Dort ist „medical marijuana“ derzeit in 33 der insgesamt 50 Bundesstaaten legal, in zehn Bundesstaaten plus Washington, DC ist der Cannabiskonsum komplett legalisiert.

Let’s do business!

 

 

Therapeutische Chatbots, Teufelskralle und Deutsche Depressionshilfe

Therapeutische Chatbots, Teufelskralle und Deutsche Depressionshilfe

Die Datafizierung und Algorithmisierung der Medizin ist weiterhin ein vielbesprochenes Thema in Healthcare-Blogs weltweit. So geht Ashley Boynes Shuck auf der US-amerikanischen Content-Plattform #Healthline der Frage nach, inwieweit intelligente #Chatbots Patienten mit #rheumatoiderArthritis (#RA) in ihrem Alltag unterstützen können.

Programme dieser Art, wie sie kürzlich das #AmericanCollegeOfRheumatology vorgestellt habe, seien in der Lage, individuelle Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen auszusprechen, über Arzneistoffe und Wirkmechanismen zu informieren, persönliche Arzt- und Medikationstermine zu überwachen und Hilfestellung beim Ausfüllen von Rezepten zu geben, schreibt die Autorin. Die Software übermittle aktuelle Patientendaten in Echtzeit an den behandelnden Arzt, der die Therapie dadurch besser steuern könne. Die Zahl der Praxis- und Klinikbesuche lasse sich in manchen Fällen reduzieren.

Viele RA-Patienten scheuten jedoch die Konversation mit #künstlicherIntelligenz (#KI), weshalb einige Programme mit realen menschlichen Trainern arbeiteten. Auf diese Weise würden die Compliance und Motivation der Anwender deutlich verbessert, meint Boynes Shuck.

Dazu passt ein Tweet von Blogger Lionel Reichardt alias #Pharmageek, der einen bei #PhilipsHealthcare tätigen Mediziner mit den Worten zitiert, KI werde in der Medizin Dinge ermöglichen, „von denen wir die letzten 500 Jahre geträumt haben“. Dies betreffe die Genauigkeit von Prognosen, die Qualität in der #Diagnostik (#Radiologie), die Erfassung und Kontrolle von Vitaldaten, die Personalisierung von Therapien, die Entwicklung neuer Arzneistoffe und nicht zuletzt die Effizienz in der Gesundheitsverwaltung. Mehr dazu hier.

Bleiben wir beim Thema #rheumatoideArthritis: Das Zytostatikum #Methotrexat (#MTX) zählt zu den Basismedikamenten bei deren Behandlung. Obgleich die Dosierung von MTX in der RA-Therapie deutlich niedriger ist als in der Tumorbehandlung, können auch hier kritische #Nebenwirkungen auftreten. Ein Patient, der den DHFR-Inhibitor offenbar nicht oder nur sehr schlecht verträgt, fragt andere Betroffene auf der Social-News-Plattform #Reddit (Subreddit r/rheumatoid) nach ihren Erfahrungen und erkundigt sich nach alternativen Arzneistoffen.

Etwa die Hälfte der Nutzer, die antworten, berichtet ebenfalls von gravierenden Nebenwirkungen. „Methotrexat machte mich tagelang richtig krank,“ schreibt einer und ergänzt, dass MTX dessen ungeachtet für die meisten Patienten wohl funktioniere. Ein anderes Forumsmitglied schildert: „Ich vertrage MTX nicht, die Nebenwirkungen waren schrecklich. Permanente Übelkeit, Magenprobleme, Haarausfall und die Hälfte der Woche Kopfschmerzen. Mein Arzt weigerte sich, mir ein anderes Mittel zu verschreiben. Erst, als ich den Arzt wechselte, lernte ich verschiedene Wirkstoffe kennen und probierte sie aus.“ Heute werde er erfolgreich mit #Actemra (#Tocilizumab) behandelt, das zu den #Biologicals zählt.

Viele Nutzer vermuten, dass sich MTX deshalb als Standardmittel durchgesetzt habe, weil es unter den krankheitsmodifizierenden #Antirheumatika (#DMARDs) das kostengünstigste sei. Als besser verträgliche Alternativen im Einzelfall werden von den Autoren unter anderem die (teureren) Bio-DMARDs und TNF-Inhibitoren #Enbrel (Etanercept) und #Humira (Adalimumab) genannt, aber auch die synthetischen DMARDs #Xeljanz (Tofacitinib) und Leflunomid, überwiegend jeweils als Monotherapie.

Auf die Bedeutung einer entzündungsentlastenden Ernährung zur positiven Unterstützung bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen (#Rheumadiät) macht die Bloggerin und Buchautorin Michaela Döll auf der naturkundlichen Gesundheitsseite Sanitudo aufmerksam. Grundlage bilden die Empfehlungen der #DeutschenGesellschaftFürErnährung (#DGE), also eine Ernährungsform mit reduzierter Arachidonsäurezufuhr (tierische Fette) und erhöhter Aufnahme (Supplementierung) von n-3-Fettsäuren (Seefisch, Fischöl, bestimmte Pflanzenöle) sowie Antioxidantien (Gemüse, Obst). Darüber hinaus kann der regelmäßige Verzehr von Ingwer (Scharfstoffe wie die Gingerole; ätherische Öle wie das Zingiberen), Brokkoli (Glucosinulate), Brennnessel (Steroide, organische Säuren in der Wurzel), Gewürzen wie Kurkuma (Curcumin) und Basilikum (ätherische Öle wie das Eugenol) sowie der #AfrikanischenTeufelskralle (vermutlich Harpagosid in der Wurzelknolle) nach Auffassung der Autorin, die verschiedene Studien anführt, die antiinflammatorische Ernährungstherapie sinnvoll ergänzen.

Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) liegt übrigens im Trend: Auf #YouTube widmen sich über 300 Videos dem krautigen Sesamgewächs in seiner Bedeutung als Human-Phytotherapeutikum, die überwiegende Mehrzahl davon nichtkommerziell. Ein aktuelles Affiliate-Influencer-Video aus Deutschland testet 10 Teufelskralle-Präparate und setzt das Produkt von #Ratiopharm auf Platz eins. Die Google-Suchanfragen für das Heilgewächs schießen pünktlich zu Beginn der nass-kalten Jahreszeit (#Gelenkbeschwerden) in die Höhe und erreichen den höchsten Wert der vergangenen 12 Monate. Zum Vergleich: Der Suchbegriff #Johanniskraut liegt aktuell 16 Zähler darunter, auf YouTube gibt es nur rund 100 Videos dazu. Wahrscheinlich wird es derzeit einfach noch nicht früh genug dunkel (#Winterdepression), trotz Normalzeit.

Die #Winterdepression ist übrigens eine von der #WHO anerkannte Krankheit, die in der neuesten Fassung der „Internationalen Klassifikation von Krankheiten“ (#ICD-11) der Gruppe der rezidivierenden depressiven Störung zugeordnet wird.

Wintertief? Hier geht es zum #Selbsttest! Und nicht vergessen: Eine Depression klingt ab, wenn man sich zusammenreißt und Schokolade isst. Davon zeigt sich jedenfalls fast jeder fünfte Bundesbürger überzeugt, laut „Deutschland Barometer Depression“ (2017). Neue Daten werden von der @DeutschenDepressionshilfe am 27. November vorgestellt (presse@deutsche-depressionshilfe.de).

 

 

Neues aus den Medizin-Blogs der Welt: Aufgerüstete Killerzellen, promiskuitive Gen-Effekte und Ziegelsteine aus Urin

Neues aus den Medizin-Blogs der Welt: Aufgerüstete Killerzellen, promiskuitive Gen-Effekte und Ziegelsteine aus Urin

Werfen wir einen Blick in ausgesuchte Science-Blogs. Und beginnen wir mit NovelTargets (NT), einer Podcast-Plattform mit ganz hervorragenden Kontributoren. Schwerpunkt sind neue Erkenntnisse und Entwicklungen in der Zell- und #Gentherapie und ihre Bedeutung für die #Onkologie.

In einer weiteren Folge der NT-Podcast-Serie „Im Schatten der T-Zellen“ erörtern internationale Experten das Potential der sogenannten natürlichen #Killerzellen (NK-Zellen) in der #Krebsimmuntherapie. Hintergrund sind die bemerkenswerten Erfolge der CAR-T-Zell-Therapien, von denen zwei in Europa zugelassen wurden und eine inzwischen auch in Deutschland verfügbar ist. Sie zeigen, in welche Richtung die immunonkologische Forschung geht: Künftig sollen gentechnisch modifizierte #Immunzellen mit neuen Spezifikationen ein breiteres Spektrum von #Tumorerkrankungen bekämpfen können.

In dem Audiostück berichtet Dr. @MichaelCaligiuri, Chefarzt am #CityOf HopeNationalMedicalCenter in Kalifornien und früherer Präsident der #AmericanAssociationForCancerResearch (AACR), über seine Forschungen hinsichtlich CAR-modifizierter NK-Zellen. Das sind NK-Zellen, die mit einem synthetischen antigenspezifischen Rezeptor, dem „chimären Antigenrezeptor“ bzw. CAR, ausgestattet werden.

Caligiuri betont, dass noch viel #Grundlagenforschung notwendig sei, um die Funktionsweise der Immunzellen besser zu begreifen. Welche Rolle #Zytokine, immunregulatorische Proteine, bei der Aktivierung von NK-Zellen spielen, erläutern die US-Mediziner #ToddFehniger und #NickHuntington im Podcast. Der Franzose #EricVivier, Forschungsleiter beim Biotech-Spezialisten #InnatePharma, erzählt von seiner Arbeit mit monoklonalen #Antikörpern als Checkpoint-Inhibitoren, die es den NK-Zellen ermöglichen, die immunsuppressiven Strategien von Tumorzellen zu durchkreuzen.

Dr. @JamesGulley vom @NationalCancerInstitute (NCI) in den USA vermutet, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem weiteren Durchbruch in der #Immunonkologie kommen werde; möglicherweise durch eine Kombination von CAR-NK-Zell-Therapie und Checkpoint-Blockade, die neue Maßstäbe bei der #Krebsbehandlung setzen könnte.

Auf @STAT-News postet die in Boston lebende kanadische Medizinjournalistin @HelenBranswell einen Bericht über die neue Anti-Influenza-Pille #Xofluza (enthaltener Arzneistoff ist das Virostatikum #Baloxavirmarboxi) von Roche. Das Präparat, das zur Klasse der Endonuklease-Hemmer mit neuem Wirkmechanismus gehört, wurde von der Food and Drug Administration (FDA) vergangene Woche früher als erwartet für den US-amerikanischen Markt zugelassen. In Japan ist das Mittel bereits seit Anfang des Jahres zugelassen, die Verkaufsrechte liegen dort bei Arzneimittelhersteller #Shionogi, der Baloxavirmarboxi auch entwickelt hat. Die weltweiten Vermarktungsrechte hat sich #Roche gesichert, in den USA wird „Xofluza“ durch Roche’s Biotech-Tochter #Genentech vermarktet.

Angesichts des eher mäßigen Erfolges von Neuraminidase-Hemmer #Tamiflu (#Oseltamivir ) fragt sich Branswell, ob Roches neues #Grippemittel genügend Akzeptanz im Markt finden werde, zumal es mit einem Großhandelspreis von 120 US-Dollar relativ teuer sei. Im Jahr der Einführung werde Genentech Rabattgutscheine für Patienten mit und ohne Krankenversicherung anbieten.

Vorteil des schnell wirkenden Roche-Produkts: Es genügt eine Einmaldosis, während „Tamiflu“ fünf Tage lang zweimal täglich eingenommen werden muss. Die höhere „Convenience“ könne den Ausschlag geben, meint Branswell. Allerdings sollte „Xofluza“ innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der ersten Grippesymptome eingenommen werden, um seine volle Wirksamkeit zu erreichen – was im Alltag der meisten Patienten unrealistisch sei, gibt sich die Autorin skeptisch.

Ein weiteres interessantes Posting auf STAT-News stellt eine noch unveröffentlichte Studie aus den USA vor, bei der Forscher die #Gene von 500.000 Frauen und Männern untersucht und darunter vier #Genvarianten festgestellt haben, die entweder bei Menschen mit homosexuellen Erfahrungen oder bei heterosexuellen Menschen mit promiskuitivem Lebensstil auftauchten. Die Studie zeige, so Autorin #MeghanaKeshavan, dass es kein einzelnes „Homo-Gen“ gebe, sondern dass Nicht-Heterosexualität von mehreren verschiedenen Gen-Effekten beeinflusst werde.

Gleich mehrere Posts auf der US-amerikanischen Blog-Plattform @PLOS (Rubrik „Speaking of Medicine“) rücken die #Tuberkulose in den Fokus. Ein Gast-Blogger hatte anlässlich des „Global Tuberculosis Report 2018“ der #Weltgesundheitsorganisation (#WHO) die wissenschaftliche Gemeinschaft zu schnellem Handeln aufgerufen, um der #TBC „ein Ende zu bereiten“. In 2017 starben weltweit 1,6 Millionen Menschen an der bakteriellen Infektionskrankheit; rund neun Millionen Menschen erkranken jedes Jahr.

Nun plant die hinter PLOS stehende Non-Profit-Organisation für Wissenschaftskommunikation mit Sitz in San Francisco ein ganzes Dossier über „neue Methoden und Strategien zur Diagnose, Behandlung und Bekämpfung der TBC“, das im Frühjahr 2019 erscheinen soll. Wissenschaftliche Beiträge dazu können noch bis zum 9. November 2018 eingereicht werden. Zu den Mitherausgebern dieses Dossiers gehört Dr @RichardChaisson, Direktor des Center for Tuberculosis Research an der Johns Hopkins Universität, Kalifornien.

Zum Schluss ein Spotlight auf den chinesischen Wissenschaftsblog ScienceNet der China Science Journal Society in Peking. Dort wird zur Zeit ein Beitrag als „angesagt“ eingestuft, der sich mit dem #Recycling von menschlichem (und in erster Linie männlichem) #Urin beschäftigt. Im Mittelpunkt des Artikels von Ping Zhu steht der weltweit erste mit Harn produzierte Ziegelstein, der an der #UniversitätKapstadt, Südafrika, entwickelt wurde.

Das – im Vergleich zur klassischen Ziegelproduktion – energiesparende, ressourcenschonende Herstellungsverfahren für den Bio-Baustein ist die mikrobielle Karbonatfällung. Dabei reagiert Sandstein mit Bakterien, die #Urease produzieren, ein Enzym, welches den im Urin enthaltenen #Harnstoff spaltet. Die so entstehende zementartige Masse härtet in einer entsprechenden Form zum Baumaterial aus. Als Nebenprodukte fallen bei der Herstellung Stickstoff und Kalium an, die als Düngemittel Verwendung finden.

Blogger Zhu, männlichen Geschlechts,  fragt sich nun, welchen Effekt wohl weiblicher Urin auf die Qualität der Bio-Ziegel hätte. Any suggestions?

 

 

Influenza, AFM und ein Grippewitz

Influenza, AFM und ein Grippewitz

Vor 100 Jahren wütete die schlimmste bekannte #InfluenzaPandemie, der weltweit bis zu 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen: die #SpanischeGrippe. Daran erinnert die #Weltgesundheitsorganisation (#WHO) heute in einem Tweet. Und warnt davor, die #Virusgrippe zu unterschätzen, an der jedes Jahr rund 650.000 Menschen sterben. Weiterführende Informationen zur „echten“ Grippe @FluNet.

Das Informationsbedürfnis der Twitter-User in punkto #Influenza hält sich indes in Grenzen. Twitters Trendmonitor rückt stattdessen ein anderes Thema in den Mittelpunkt: Ein „scary virus“ breite sich in den USA vornehmlich unter Kindern aus, der noch nicht identifizierte Erreger rufe Polio-ähnliche Krankheitssymptome hervor. Gemeint ist #AFM (#AcuteFlaccidMyelitis), eine eher seltene aber ernste neurologische Erkrankung, deren Fallzahlen zunehmen. Derzeit gebe es in den USA 127 AFM-Verdachtsfälle; bei mehreren Erkrankungen sei #Enterovirus im Spiel. Ein Tweet dazu kommt von Medizinern in Boston @HealthMap, die sich wiederum auf eine Meldung der #CDC (#Centers for Disease Control and Prevention) @NBCNews berufen.

Hier erfährt man, dass die Ursache der „Pseudo-Polio“ keineswegs geklärt ist. Außer Enterovirus kommen weitere Erreger wie das #WestNilVirus, aber auch Umweltgifte und #Autoimmunerkrankungen als Auslöser in Frage. CDC-Direktor Dr. @RobertRRedfield teilt auf Twitter mit, die Bundesbehörde sei besorgt über AFM und arbeite eng mit den lokalen Behörden an der Aufklärung. Die CDC zählen 62 bestätigte Fälle der Erkrankung in 22 Bundesstaaten der USA.

Abgesehen davon, dass in Deutschland der Suchbegriff „Wiesn-Grippe“ (im Sinne einer Manifestation von örtlichem Alkoholabusus) Anfang Oktober noch eine kleine Sonderkonjunktur hatte, wächst das Interesse an der Virusgrippe laut Google nur allmählich. Ausreißer in der Beliebtheit assoziierter Begriffe sind #BoxaGrippal und #SpaltGrippal – #Sanofi und #Pfizer wird’s freuen – sowie #Globuli und #Nasenspray (dekongestiv oder präventiv à la #Abwehrspray?).

Und außer der Influenza? Erweitert man die Zeitachse auf 90 Tage, zählen vor allem #Gastritis, #Asthma und #HerpesZoster zu den pathologischen Gewinnern beim Google-Nutzerinteresse in Deutschland.

Sehr viel stärker als bei uns ist das Interesse an der Influenza bei unseren Nachbarn in Frankreich und Großbritannien. Im Vereinigten Königreich war die Präferenz des Suchbegriffs #flu (außer „swine flu“) im Oktober bis zu achtmal stärker als der Wert für die „Grippe“ in Deutschland.

Das liegt möglicherweise daran, dass die Insel im Januar 2018 von einer der größten #Grippewellen der vergangenen Jahrzehnte heimgesucht worden war. Ihren berühmten Humor haben die Briten trotzdem nicht verloren. Passender Witz:

The doctor tells the patient he has very bad flu. The patient says he wants a second opinion. The doctor says, ”OK, you’re ugly too”.

Mehr davon @scoopwhoop!

 

 

Posts der Woche: Big Data, KI und Virtual Reality in der Medizin

Posts der Woche: Big Data, KI und Virtual Reality in der Medizin

Werfen wir einen Blick in interessante Healthcare-Blogs aus dieser Woche. Stichwort: “Digitale Medizin“ – ein vielgestaltiges, häufig kontrovers diskutiertes Thema.

Ob OP-Roboter, elektronischer Pflegeassistent, virtuelles Patientenmonitoring oder Big Data auf der Intensivstation, Medizininformatik soll die Arbeit der Ärzte erleichtern und die Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten für Patienten verbessern. Folge: Die Menge digitaler medizinischer Daten wächst rasant. Kompliziert – und auch ethisch schwierig – wird es, wenn sich selbst optimierende Algorithmen diese Datenmengen interpretieren und behandelnden Ärzten bestimmte Entscheidungen abnehmen („Decision Support“). Die Frage: Wie weit darf Künstliche Intelligenz (KI) den Arzt ersetzen – darf sie es überhaupt?

Der britische Wissenschaftsautor Adi Gaskell stellt in seinem immer lesenswerten Blog The Horizons Tracker eine von „PLOS ONE“ veröffentlichte Studie vor, der zufolge ein von britischen Wissenschaftlern entwickeltes Programm mit Hilfe künstlicher Intelligenz das Risiko einzelner Menschen, an einem Herzinfarkt zu sterben, ungewöhnlich präzise vorhersagen kann. Die mit rund 80.000 Patientendaten gefütterte Software übertreffe in ihrer Genauigkeit alle bekannten Prognosemodelle für das individuelle kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko, behaupte die Studie, so Gaskell. Das lernende System habe für seine Vorhersagen neue Indikatoren herangezogen, welche Mediziner bei ihren Prognosen bisher meist nicht berücksichtigt hätten, etwa ärztliche Hausbesuche bei den Patienten. Momentan arbeiteten die Forscher an einer Machbarkeitsstudie für den kommerziellen Einsatz ihres Programms.

Der französische Pharmamanager und E-Health-Spezialist Lionel Reichardt, als „Pharmageek“ auf diversen Plattformen aktiv, stellt die wachsende Bedeutung und das wirtschaftliche Potential computergenerierter Echtzeit-Simulationen (Virtual Reality, Augmented Reality) in der Medizin in den Mittelpunkt eines aktuellen Tweets. Er nimmt Bezug auf einen Artikel von Marta Hlova auf „MDDI Online“.

Demnach sollen bis zum Jahr 2023 knapp fünf Milliarden US-Dollar in derartige Systeme in der Medizin investiert werden. Goldman Sachs sehe die Medizin als zweitwichtigsten Anwendungsbereich für VR- und AR-Programme hinter dem Spielemarkt, heißt es bei Hlova. Drei Probleme verhinderten derzeit eine schnellere Ausbreitung der virtuellen Realität in Kliniken und Arztpraxen: Zum einen herrsche ein Mangel an geeigneten (Programm-)Inhalten, die von hochspezialisierten Designern und Programmierern aufwendig produziert werden müssten. Zum anderen sei die derzeit verfügbare Hardware (in erster Linie Brillen bzw. “Headsets”) zu schwer, zu unbequem und zu teuer. Schließlich bestehe ein weiterer Nachteil in der  langen Gewöhnungs- und Übungsphase, die für Anwender beim Umgang mit virtuellen Umgebungen erforderlich sei.

Ein weiterer Pharmageek-Tweet stellt ein digitales Pilotprojekt zweier Länder in den Mittelpunkt: den grenzüberschreitenden Austausch elektronischer Patientendaten zwischen Estland und Finnland, der auch digitale Rezepte einschließt. Über das Projekt, das bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, berichtet Sarantis Michalopoulos auf „Euractiv“. Von offizieller Seite heiße es, das Vorhaben – eine Weiterentwicklung des EU-Programms „eHDSI“ – besitze Modellcharakter für eine EU-weite Daten-Infrastruktur im Gesundheitsbereich. Dem finnisch-estländischen Vorstoß sollen sich zunächst Schweden, Griechenland und Zypern anschließen. In 2019 folgten schätzungsweise 18 weitere EU-Staaten, schreibt „Euractiv“-Autor Michalopoulos.

 

 

Rauscht der Wind im Rotor, sind Ohrenstöpsel gefragt

Rauscht der Wind im Rotor, sind Ohrenstöpsel gefragt

Das europäische Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat heute neue Lärmschutz-Richtlinien veröffentlicht. Der dort empfohlene Grenzwert für Windkraftanlagen liegt bei durchschnittlich 45 Dezibel am Tag. Liegt der Geräuschpegel darüber, kann er laut WHO krank machen (Evidenz für kardiovaskuläre und metabolische Risiken).

Zum Vergleich: Geräusche in der Wohnung, ein Kühlschrank oder ein normaler Regenschauer verursachen einen Lärmpegel von ca. 55 Dezibel; Flüstern und leise Musik erreichen im Schnitt 40 Dezibel. Dieser Hörschall ist aber meist nur temporär, während Windräder dauerhaft, auch im Ruhezustand, Lärm produzieren – tieffrequente Geräusche, sogenannten Infraschall.

Der WHO-Richtwert für Windturbinenlärm ist jedenfalls niedriger angesetzt als der vom Bundesumweltamt (UBA) derzeit vertretene Tagesgrenzwert von 55 Dezibel. Die Behörde räumt beim Lärmschutz in Deutschland generell Handlungsbedarf ein, dies vor allem in punkto Verkehrslärm.

Das sonst so schnelle Netz reagiert auf den Lärmbericht der WHO zunächst zögerlich. Vorerst twittern nur ein paar notorische Anti-WKAler über die institutionelle Argumentationshilfe gegen störend brummende Windräder. Vertreter alternativer Energieerzeuger halten dagegen. Die Benennung gesundheitlicher Risiken bei der Nutzung regenerativer Energien scheint nicht im Trend zu liegen.

Lärmschutz aber schon: Das Google-Trendbarometer verzeichnet ein Zwölfmonatshoch bei diesem Thema, gemessen an der Zahl der Suchanfragen in Deutschland. Analog steigt das Interesse an Gehörschutzprodukten: Der Suchbegriff „Ohrenstöpsel“ („earplugs“, „bouchons d’oreilles“) erreicht heute einen neuen Spitzenwert – europaweit.

 

 

10 Gründe, warum Sie diesen Blog ab heute regelmäßig lesen sollten

10 Gründe, warum Sie diesen Blog ab heute regelmäßig lesen sollten

Willkommen zum Textdosis-Blog und zu meinem ersten Eintrag.

An dieser Stelle möchte ich künftig regelmäßig einen Blick in interessante internationale Healthcare-Blogs werfen. Dabei beschränke ich mich nicht auf klassische Weblogs, sondern beziehe die gesamte sozial-digitale Kommunikationssphäre mit ein. Es können also auch (Achtung, Anführungszeichen) redditierte, getwitterte, gepinnte oder in anderen Formaten gepostete Mitteilungsformen sein.

Ebenso vielfältig ist die Auswahl der Kanäle: Vom privaten Einzelblog bis zum Medienblog, vom Posting im Blog-Netzwerk oder auf der News-Plattform bis zum Beitrag im Videoportal berücksichtige ich ganz unterschiedliche „Trägermedien“. Die meisten Blogs richten sich an ein breites Publikum, einige fachwissenschaftliche Journale sind auch dabei. Immer gegeben ist der Bezug zur Medizin, zur Gesundheit.

Neben der reinen Themenschau werde ich an dieser Stelle stets auch etwas „Social Listening“ betreiben und bestimmte Themen im Netz mit Hilfe einschlägiger Monitoring-Tools näher analysieren.

In der vergangenen Woche ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass sich die Deutschen, jedenfalls gemessen an der Anzahl von Google-Suchanfragen, weniger für die Alzheimer-Krankheit zu interessieren scheinen als ihre europäischen Nachbarn, namentlich die Franzosen und die Briten. Das Informationsbedürfnis zu Morbus Parkinson zum Beispiel übertraf die Neugier auf Alzheimer hierzulande bei weitem – und das sogar am Welt-Alzheimer-Tag. Anders in Frankreich: Dort herrschte schon in der Woche vor dem Aktionstag ein durchweg starkes Interesse an der Demenzerkrankung, erst recht war das am „World Alzheimer’s Day“ der Fall.

Ein genauerer Blick in die Daten gab Aufschluss. Während sich Franzosen wie Briten eher allgemein über Alzheimer informierten, gingen die Recherchen in Deutschland bereits in die Tiefe: Die Suchbegriffe mit dem stärksten Zuwachs waren „Homocystein“ (Nebenprodukt des Eiweißstoffwechsels, wird bei erhöhtem Blutwert mit Demenzerkrankungen assoziiert) und „Grüner Tee gegen Alzheimer“ (sic!).

Nun könnte man spekulieren (wenn man nichts anderes zu tun hätte): Sind wir ein Volk der versierten, lösungsorientierten Selbsthelfer? Oder steckt die möglicherweise hypochondrische Angst vor der Selbsterkrankung, die bei unseren Nachbarn weniger stark ausgeprägt zu sein scheint, hinter deutschem Wissens- und Erkenntnisdrang?

Kommen wir zum Schluss: Sie haben inzwischen nachgezählt und festgestellt, dass ich – anders als in der Überschrift vollmundig angekündigt – in diesem Beitrag keine 10 Gründe nenne, warum Sie meinen Blog künftig regelmäßig lesen sollten? Dann habe ich ein herzliches Anliegen: Lesen Sie meinen Blog künftig bitte nicht! (Lesen Sie stattdessen lieber ein Buch über die Beziehung numerischer Angaben zu Searchbots.)

À bientôt

Marcus Reiber