Blogdosis

Hier wird vom Autor aufdosiert: Lesen Sie regelmäßige Exzerpte aus internationalen Healthcare-Blogs. Welche Themen treiben die unabhängigen Gesundheitsblogger an? Wer sind die Influencer, was liegt im Trend?
Von menschlichen Kanalratten, Pfadfindern im Pflegedschungel und einer temporär erhöhten Betriebstemperatur

Von menschlichen Kanalratten, Pfadfindern im Pflegedschungel und einer temporär erhöhten Betriebstemperatur

Dumme Werbung gibt es immer wieder. Sie treibt ihr Unwesen häufig in kleineren digitalen Formaten wie Werbebannern, die sich wiederum gerne in Email-Newslettern verstecken, die mutmaßlich kaum jemand liest. So wie ein aktuelles Banner von DocCheck, dem Informationsportal für Mitglieder der medizinischen und gesundheitsnahen Berufe. Die Anzeige preist ein Produkt für Werbekunden des Portals an, den „DocCheck-Kanal“.

Klicke ich den Balken an, der mit dem Piktogramm eines schmaläugigen asiatischen Menschleins mit Kegelhut und Fächer, dem Text „2020 Das Jahr der Kanalratte“ und einem Button mit der Aufschrift „Ich will mehl…“ bei mir bereits Verständnisfragen aufwirft, gelange ich auf die eigentliche Anzeigenseite. Dort zeigt ein großes Schwarzweißfoto mit bräunlichem Farbstich das Gesicht eines alten, traditionell gekleideten Asiaten, vermutlich eines Chinesen, mit altertümlicher dunkler Hornbrille auf der Nase. Daneben prangt erneut der Text: „2020 Das Jahr der Kanalratte“.

Meine Hoffnung auf ein semantisches Missverständnis, zerstört. Ich stelle mir vor, wie Leser der Anzeige den unschönen Begriff der „Kanalratte“ – klassische Vokabel der Geringschätzung und Abwertung – mit dem „Chinesen“ in Verbindung bringen, wie Bild und Text zur toxischen sinophoben Projektionsfläche werden, wie im Kopf des Betrachters ein wochenschauartig flackernder Film entsteht, in dem es von emsigen, schlauen, im Verborgenen ihre Ziele verfolgenden, gerissenen oder sogar durchtriebenen „Chinesen“ nur so wimmelt.

Mancher könnte diese Werbung für rassistisch halten. „Ach was“, sagt ihm dann vielleicht ein 25-jähriger chinesischer Jungmanager aus Guangzhou, übrigens in astreinem Deutsch. „Die alten Klischees regen doch niemanden mehr auf.“ Warum auch? Schließlich habe seine Firma, ein bei uns nahezu unbekannter chinesischer Internetkonzern, gerade die Mehrheit an der Kölner DocCheck AG übernommen. „Das ist gut für die chinesische Medizinprodukte-Industrie“, weiß der smarte Jungmanager. 

Nach dem chinesischen Horoskop wird 2020 das Jahr der „Metall-Ratte“ sein, das mit dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar beginnt und am 11. Februar 2021 endet. Das Tierkreiszeichen der Ratte in Verbindung mit dem Element Metall bedeutet mythologisch, dass 2020 ein Jahr der Erneuerung und des kraftvollen Neubeginns werden wird. Daran, meine ich, sollten wir Deutsche unbedingt glauben.

Neubeginn, das passt gut zum Thema Start-ups. Die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche hat unzählige Jungunternehmen mit mehr oder weniger innovativen Geschäftsmodellen im Bereich E-Health auf den (Business-)Plan gerufen.

So wie das Berliner Start-up mitunsleben, das in diesen Tagen ein Krankenpflege-Portal ins Netz gestellt hat, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) den Markt für Pflegedienstleistungen „revolutionieren“ soll. Mitunsleben ist allerdings keine klassische Neugründung, sondern ein junges „Joint Venture“ von 16 gemeinnützigen Organisationen, darunter die Johanniter-Unfall-Hilfe, Samariterstiftung, Stephanus Stiftung und Diako Thüringen.

Die nichtkommerzielle digitale Service-Plattform mitpflegeleben.de („Wir sind die Pfadfinder im Pflegedschungel“), will alle relevanten Informationen zum Thema Pflege bündeln und bedarfsgerechte Pflegeangebote an pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen vermitteln. Die Vermittlung ist gebührenfrei, die Angebote stammen direkt von den jeweiligen Pflegedienstleistern. Für die Passgenauigkeit der Angebote soll das integrierte KI-Programm sorgen, welches die konkrete Bedarfssituation der Nutzer analysiert und daraufhin geeignete Leistungserbringer auswählt, von ambulanten oder stationären Einrichtungen über Tages- und Nachtpflege bis zu altersgerechten Wohnangeboten.

Start-ups gibt es auch in Österreich. Dort, genauer in Oberösterreich, in der Donau… nun ja, …-Metropole Linz, wo man die digitale Zukunft schon heute im Museum ausstellt, arbeiten zum Beispiel die Gründer von Storyclash an neuen Modellen für die Beobachtung und Analyse von sozialen Netzwerken. Trotz der kleinen Schweinigelei auf ihrer Homepage – Chat-Avatar „Daniela“ („We speak English too!“) ist im Thumbnail mit freigestellten Riesenboobies zu sehen – verdienen die Social-Web-Detektive Lob und Anerkennung, haben sie doch, für das Fachmagazin „Healthcare Marketing“, eine Rangliste der besten Social-Media-Auftritte von Pharmaunternehmen erstellt. Gemessen und verglichen wurde die Anzahl von Interaktionen (Likes, Shares, Kommentare) durch Nutzer auf den Facebook-, Instagram, Twitter- und Youtube-Seiten der Unternehmen im September.

Ergebnis: Bristol-Myers Squibb (BMS) kommt mit der „Country 2 Country 4 Cancer“-Charity-Aktion (#C2C4C) und über 75.000 Interaktionen auf Platz eins, gefolgt von Pfizer Global und Johnson & Johnson. Dahinter UCB, Abbott, Novo Nordisk, Lundbeck, Fresenius Kabi, GSK Global und Fresenius.

Auch beim Macher von Textdosis, nämlich meiner Person, breitet sich in diesen Tagen das Gründungsfieber aus. Die erhöhte Betriebstemperatur ist darauf zurückzuführen, dass ich mich einem neuen Geschäftsfeld widmen und Textdosis zum 1. Januar „abgeben“ oder besser: in sehr kompetente Hände übergeben werde. Das Redaktionsbüro wird dann (namenloser) Bestandteil einer (namhaften) Content-Marketing-Agentur sein. Aber keine Sorge, für Textdosis-Kunden werde ich eine gewisse Zeit lang weiterhin persönlich zur Verfügung stehen. Ich bedanke mich bei meinen Auftraggebern an dieser Stelle sehr herzlich für die gute und regelmäßige Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahren. Es war eine spannende, aus- und erfüllende Schaffensperiode.

Gleichzeitig freue ich mich sehr auf meine neuen Aufgaben, die in einem ganz anderen Wirtschaftsbereich liegen. Den Schreibtisch werde ich dann öfter mit dem Laptop im Flieger tauschen, denn der neue Job hat einen starken Bezug ins Ausland. Also genau das Richtige, um noch mal durchzustarten.

Tschüss, und bleiben Sie fit!

Röstbohnenaufguss, Schädelpein und tierische Pathogene, die den Menschen kolonisieren

Röstbohnenaufguss, Schädelpein und tierische Pathogene, die den Menschen kolonisieren

Wieviel Kaffee haben Sie heute schon getrunken? Der belebende Bohnensud ist die Volksdroge schlechthin. Rund 1000 Tassen, etwa 160 Liter, trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Mehr als Alkohol: Davon werden, in Form von Fertiggetränken wie Bier oder Wein, im Laufe eines Jahres durchschnittlich 130 Liter konsumiert.

Überwogen früher die kritischen Stimmen gegenüber Kaffee – der diuretische Effekt könne zur Hypohydratation führen, die hypertonische Wirkung begünstige kardiovaskuläre Erkrankungen – , belegen heute viele Studien das Gegenteil: Maßvoll genossen, bei drei bis vier Tassen pro Tag, ist der schwarze Muntermacher sogar gesund (einen aktuellen Überblick bietet das Food Feature der Harvard T.H. Chan School of Public Health).

Allerdings macht es der Mokka den Forschern nicht leicht: Zahlreiche Faktoren, wie die jeweilige Kaffeesorte, das Herstellungsverfahren, die Vielzahl unterschiedlicher Inhaltsstoffe und schließlich die genetische Disposition des Kaffeetrinkers selbst, beeinflussen die Wirkung des psychotropen Heißgetränks.

Als mir vor etlichen Jahren auf Grund einer Tonsillitis die Gaumenmandeln operativ entfernt wurden, begegnete mir in der Rekonvaleszenz des Öfteren auf dem Flur der Klinik ein permanent Kaffee trinkender Mitpatient. Eines Tages, nachdem einige Worte gewechselt waren, verriet mir der Mann, warum er stets mit Brühe im Automatenbecher anzutreffen sei: Der Kaffee, so der Kranke, sei gut gegen seine chronischen Kopfschmerzen. (Behandelt wurde er aber, soweit ich mich erinnere, wegen einer Nasennebenhöhlengeschichte.)

Koffein gegen Kopfweh? Bedingt, ja. Die Stiftung Kopfschmerz geht davon aus, dass regelmäßiger Konsum erhöhter Koffeinmengen chronische Kopfschmerzen lindern und die Dauer der Schmerzepisoden reduzieren kann. Sie beruft sich dabei auf eine ältere Studie aus Norwegen. Dem scheint eine aktuelle Studie zu widersprechen, der zufolge mehr als drei Tassen Kaffee am Tag bei Migränepatienten das Risiko für eine Kopfschmerzattacke erhöhen. Doch schon die norwegischen Forscher vermuteten, dass Koffein zwar lang anhaltende Kopfschmerzen eindämmen, gleichzeitig aber kurzfristige Beschwerden auslösen könne – also quasi den Dauer- in einen Akutschmerz umwandelt.  

Wer glaubt, seinen Kaffeekonsum einschränken zu müssen, sei ebenfalls gewarnt: Eine zu rasche Koffeinentwöhnung kann bei Freunden des Schwarzen wiederum Kopfschmerzen auslösen. Wieviel Kaffee einem Menschen tatsächlich zuträglich ist, muss im Einzelfall symptomatisch abgeklärt werden. Einen lesenswerten Artikel über das schwierige Verhältnis zwischen Röstbohnenaufguss und Schädelpein bietet der Berliner Physiker Dr. Markus Dahlem in seinem Blog auf der Migräne-Seite „M-sense“. Dort findet man übrigens auch „die besten Migräne-Tweets“ des Monats.

Malaria, hämorrhagische Fieber wie Ebola und Dengue, virale Hepatitis, multiresistente Tuberkulose (MDR-TB), Tularämie (Hasenpest): Zoonosen, also vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheiten, breiten sich aus. Zwei wesentliche Gründe für die bedenkliche Entwicklung sind die zunehmenden Antibiotikaresistenzen bei den Erregern und die durch Klimaveränderung begünstigte geografische Ausbreitung der Überträger. Aber auch staatliche und sozioökonomische Krisen in bestimmten Ländern, die eine wirksame Infektionsbekämpfung erschweren, spielen eine Rolle, außerdem der globale Waren- und Reiseverkehr.

Potentielle Gefahren liegen in der genetischen Variabilität der Pathogene: Ihre Fähigkeit zur Rekombination und Mutation des Erbguts könnte rasch zu weiteren antimikrobiellen Resistenzen, zu Wechseln des Reservoirwirts und zu neuen Transmissionsmodi führen, zum Beispiel zur Übertragung durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch.

Etwa zwei Drittel aller Infektionskrankheiten sind Zoonosen. Man unterscheidet nach der Art der Erreger hauptsächlich virale, bakterielle und parasitäre Zoonosen sowie zoonotische Mykosen (Pilzerkrankungen). Infektionsquellen sind nicht nur Tiere, darunter häufig auch Haustiere (Hunde, Katzen, Nagetiere, Fische, Amphibien), die Erreger können auch in infektiösen Lebensmitteln primär tierischer Herkunft stecken, oder sie finden ihr Reservoir in kontaminiertem Wasser, in Pflanzen oder im Erdreich. Die häufigsten durch keimbelastete Lebensmittel verursachten Zoonosen sind die meldepflichtige Salmonellose und die Campylobakteriose.

Der Kampf gegen invasive Mikroorganismen und importierte Infektionskrankheiten steht längst auf der internationalen Agenda. Auf dem jüngsten G7-Gipfel gab die Bundesregierung bekannt, dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids (ursprünglich eine Zoonose), Tuberkulose und Malaria (GFATM) eine Milliarde Euro zukommen zu lassen. Weitere wichtige Geberländer des 2002 auf UN-Initiative gegründeten Fonds sind die USA, Frankreich und Großbritannien. Die G7-Staaten haben sich bereits 2015, unter dem Eindruck des bisher größten Ebola-Ausbruches in Westafrika, dazu verpflichtet, 76 Länder bei der Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Epidemieprävention zu unterstützen. Die Weltbank entwickelte ein spezielles Finanz- und Versicherungskonzept, das betroffene Länder vor den wirtschaftlichen Folgen durch Epidemien schützen soll.

Die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen zoonotische Virusinfektionen mit Pandemiepotential will die in Norwegen ansässige Initiative „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI) vorantreiben, eine internationale Allianz aus WHO, EU-Kommission, Länderregierungen, Forschungseinrichtungen, Impfstoffherstellern und privaten Geldgebern.

Die CEPI nimmt vornehmlich sechs virale Infektionskrankheiten ins Visier, fünf davon finden sich auf einer von der WHO veröffentlichten Liste mit Erregertypen, deren Bekämpfung als prioritär eingestuft wird: MERS-CoV, Lassa-Fieber, Nipah, Rifttalfieber (RVF) und… „Disease X“ – Platzhalter für ein unbekanntes, in seinen Reservoirwirten bislang unentdecktes Virus oder ein mikrobiologisch noch gar nicht existierendes, erst durch zukünftige Mutationen entstehendes Humanpathogen, das die Menschheit eines Tages bedrohen könnte.

Die Gelder der CEPI fließen zum Beispiel in Biotechnologieunternehmen wie Public Health Vaccines (PHV) in Cambridge, USA, das einen Impfstoff gegen die hochakute, hochletale Nipah-Virus-Infektion entwickelt, die französische Firma Valneva, die an einer Einzeldosis-Impfung gegen Chikungunyafieber arbeitet, oder das Wiener Startup Themis Bioscience, das an Impfstoffen gegen Lassa- und MERS-Corona-Viren forscht.

Übrigens: Den Impfstoffkandidaten gegen die Nipah-Enzephalitis, rVSV-Nipah, hat ein deutscher Forscher, der in Marburg graduierte Virologe Heinz Ulrich Feldmann entdeckt, heute Leiter der virologischen (BSL-4-)Hochsicherheitslabore am National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) innerhalb des National Institute of Health (NIH) in den USA. Feldmann, der bereits den Ebola-Vektorimpfstoff rVSV-ZEBOV entwickelt hat, ist ein mehrfach ausgezeichneter und weltweit gefragter Experte, er berät die WHO hinsichtlich der „emerging infectious diseases“. Seine Nipah-Vakzine hatte ihre Wirksamkeit bereits in präklinischen Studien (Testung an Affen) erwiesen, bevor sie von der NIAID an PHV lizenziert wurde.

Ein wichtiger Termin für die Zoonosenforschung ist das internationale Symposium „Zoonoses 2019“, das vom 16. bis zum 18. Oktober 2019 in Berlin stattfindet. Heinz Ulrich Feldmann, den man zuletzt im Mai als Sprecher beim „European Congress of Virology“ in Rotterdam erleben konnte, wird dort nicht vortragen. Dennoch darf man gespannt sein, wenn in Berlin auf Einladung der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen Hunderte Wissenschaftler aus den unterschiedlichen Bereichen der Zoonosenforschung, Human- und Veterinärmediziner, Epidemiologen, Grundlagenforscher, Daten- und Statistikexperten über „Global Health“ diskutieren. Hinter dem modischen Begriff – in anderen Kontexten ist auch von „One Health“ die Rede – stehen die Erkenntnis und das Bewusstsein, dass virale und mikrobielle Infektionswellen nicht an Ländergrenzen haltmachen, sondern multinationale und interdisziplinäre Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung erfordern.

Im vergangenen Jahr, als sich die Veranstaltung noch „Nationales Symposium für Zoonosenforschung“ nannte, sprach ein Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums das Grußwort. Ein Indiz dafür, dass sich inzwischen auch die Sicherheitspolitik mit den Bedrohungspotentialen von Epidemien und Pandemien auseinandersetzt. Sehr aufschlussreich dazu ist ein Interview mit der Leiterin des Referats Internationale Politik und Sicherheitspolitik an der Akademie für Politische Bildung Tutzing, Dr. Anja Opitz, auf der Seite der CSU-nahen Hanns Seidel Stiftung. Es geht um „globale Gesundheitssicherheit“ als Teil eines erweiterten Sicherheitsbegriffs, importierte Infektionskrankheiten als Herausforderung für Staat und Gesellschaft und die deutsche Mitgliedschaft in der Global Health Security Alliance (GloHSA).

Kürzlich habe ich mir in der ARD-Mediathek Edgar Reitz‘ „Heimat“-Prequel „Die andere Heimat“ angeschaut, ein panoramahaftes, kinematophiles, atmosphärisch dichtes, in Schwarz-Weiß gehaltenes Soziogramm verarmter, durch Adel und Obrigkeit drangsalierter Dorfbewohner im ländlichen, von Auswanderungswellen erfassten Hunsrück in der Zeit vor der Märzrevolution von 1848/1849. Darin wird von einem Diphtherie-Ausbruch erzählt, dem zahlreiche Kleinkinder im Dorf zum Opfer fallen, vom erzwungenen Fatalismus der Familien und von der großen Hilflosigkeit der Medizin.

Die Säuglings- und Kindersterblichkeit im frühindustriellen 19. Jahrhundert war enorm hoch; 40 bis 50 Prozent der Geborenen, zeitweise mehr, verstarben innerhalb der ersten fünf Lebensjahre. Die Diphtherie, eine akute, ansteckende bakterielle Infektion der oberen Atemwege („Krupp-Husten“), wütete über Jahrhunderte als gefürchtete Seuche und galt, da sie vor allem die Jüngsten traf und häufig zum Erstickungstod führte (Kehlkopfdiphtherie), als „Würgeengel der Kinder“. Im 19. Jahrhundert starben in Deutschland jedes Jahr rund 50.000 Kinder an der Krankheit.

Heute ist die Zahl von Neuerkrankungen bei der durch den Erreger Corynebacterium (C.) diphtheriae verursachten „klassischen“ Diphtherie in Westeuropa dank hoher Durchimpfungsraten gering. Eine deutliche Zunahme von Neuinfektionen ist allerdings bei einem anderen Diphtherie-Erreger, C. ulcerans, festzustellen.

Der toxigene Keim, der lokale und systemische Symptome von Rachen- und Hautdiphtherie sowie kardiale und neurologische Symptome hervorrufen kann, wird nach bisherigen Erkenntnissen hauptsächlich durch Nutz- und Haustiere, darunter Katzen und Hunde, auf den Menschen übertragen. Trotz eines Verdachtsfalles konnte eine Übertragung von Mensch zu Mensch bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Auf dem Vormarsch ist die klassische Diphtherie in Osteuropa. Nachdem es in den neunziger Jahren in der ehemaligen Sowjetunion zu großen Ausbrüchen mit bis zu 150.000 Fällen gekommen war, breitet sich C. diphtheriae heute in Ländern wie Lettland und der Ukraine wegen zu geringer Impfraten wieder aus.

Auch in Deutschland haben zur Zeit viele Erwachsene keinen aktuellen Impfschutz, da sie in den zurückliegenden zehn Jahren keine Auffrischimpfung gegen Diphtherie erhalten haben. Mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt in Ihr gelbes Impfbuch geschaut? Lassen Sie Ihren aktuellen Diphtherie-Impfstatus vom Hausarzt überprüfen und sich gegebenenfalls immunisieren. Bei der Gelegenheit können Sie auch nachschauen, ob Sie gegen Masern geschützt sind. Masern sind keine „Kinderkrankheit“, mehr als die Hälfte der Neuerkrankungen betrifft Jugendliche und Erwachsene. Wurden Sie nach 1970 geboren und als Kind nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft, dann schließen Sie diese Immunitätslücke!

Großbritannien, laut WHO nicht mehr Masern-frei, verzeichnet steigende Fallzahlen bei der hochansteckenden Virusinfektion. Angesichts eines drohenden No-Deal-Brexit und möglicher Versorgungsengpässe bei Impfstoffen keine gute Aussicht. Premier Johnson plant im Herbst deshalb einen nationalen „Masern-Gipfel“.

Quantenmechanische Haarwuchsmittel, zickige Natriumkanäle und High Heels, die Schizophrenie auslösen

Quantenmechanische Haarwuchsmittel, zickige Natriumkanäle und High Heels, die Schizophrenie auslösen

Welche Entwicklungen werden die Medizin der Zukunft bestimmen? Künstliche Intelligenz, Roboter, Organe aus dem 3D-Drucker? Sicher. Doch es gibt noch andere, weniger bekannte Technologietrends, die das Gesundheitswesen nicht minder beeinflussen und verändern werden.

Wobei der Begriff „Technologietrend“ einer Differenzierung bedarf: Laut Gesellschaftliche Veränderungen 2030, dem ersten Ergebnisbericht des Foresight-Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, gibt es einerseits Trends, die aus etablierten Forschungs- und Technologiefeldern entstehen (das sind „etablierte Zukunftsfelder“), und andererseits solche, die „jenseits bekannter Fach- und Programmlogiken liegen bzw. sich an den Schnittstellen bisheriger Disziplinen bewegen“ (das sind „Zukunftsfelder neuen Zuschnitts“).

Zu den etablierten Zukunftsfeldern gehört zum Beispiel die Genom-Editierung, deren avanciertestes Instrument bislang das CRISPR/Cas-System ist. Während ein Team aus Gentechnikern um den schillernden Harvard-Forscher George Church (der das Mammut im Labor neu erschaffen wollte – oder noch will?) gerade daran arbeitet, ein ganzes Genom komplett umzuschreiben – mittels zigtausender DNA-Modifikationen zur gleichen Zeit in einer einzelnen Zelle –, sehen Experten wie Celu Ramasamy, CEO von Blockgenic in Seattle, die Zukunft von CRISPR eher in den Garagenlabors einer neuen Generation von Do-it-yourself-Biohackern.

Hörenswerter Podcast zum Thema: Auf der Seite des Science Focus Magazine der BBC geht Nessa Carey der Frage nach, ob die synthetische Biologie eher Fluch oder Segen bedeutet.

Zu den Zukunftsfeldern neuen Zuschnitts zählt die Quantenbiologie. In diesem Forschungsfeld wird untersucht, wie quantenmechanische Kräfte auf biochemische Prozesse in lebenden Organismen einwirken.

So könnte die Quantenverschränkung für die erstaunliche Wirkung von Enzymen als Biokatalysatoren verantwortlich sein. Auch hinter dem Energietransport bei der Photosynthese und molekulargenetischen Prozessen wie der DNA-Replikation werden wechselwirkende Quanten vermutet.

In der Quantenbiologie gilt offensichtlich, was der US-amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman einst postulierte: In der Natur, so der visionäre Vordenker des Quantencomputers, gehe es „verdammt noch mal nicht klassisch“ zu.

Die Quantentechnologien befinden sich zwar vorerst noch im Stadium der Grundlagenforschung, doch es zeichnet sich ab, dass die quantenbasierte Informationsverarbeitung zukünftig in zahlreichen praktischen Anwendungen eine wichtige Rolle spielen dürfte – auch im Reiche Äskulaps.

Den Prognosen zufolge wird die Quanteninformatik nicht nur das maschinelle Lernen revolutionieren und damit neue Möglichkeiten in der personalisierten Medizin schaffen, etwa im Bereich der radiologischen Diagnostik. Auch in der Wirkstoffforschung sollen Qubits für einen Paradigmenwechsel sorgen: Indem sie die Entstehung von Proteinstrukturen berechenbar machen und dadurch die Entwicklung neuartiger Medikamente und Therapien ermöglichen – schneller und kostengünstiger als je zuvor. Die US-amerikanische Unternehmensberatung Gartner spekuliert, dass es in Zukunft sogar für Haarausfall (Alopezie) eine quantenmechanische Lösung geben werde.

Ganz ohne Quanten kommt bislang die medizinische Genomforschung aus. Dennoch könnten neueste Erkenntnisse aus der Molekulargenetik in Zukunft für einen Quantensprung sorgen – in der Schmerztherapie.

Bereits seit Jahren sind Forscher mit Hilfe der DNA-Sequenzierung jenen Gendefekten auf der Spur, die bei bestimmten Menschen dafür sorgen, dass sie keinerlei organischen Schmerz empfinden können. Weltweit gibt es nur sehr wenige Menschen mit angeborener Analgesie, ihre Zahl nimmt aber zu. Evolution der Schmerzlosigkeit?

Bisher standen Mutationen der Gene SCN9A und SCN11A, die man bei der Untersuchung „schmerzfreier“ Familien in Pakistan gefunden hatte, im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Diese Gene bestimmen die Sensibilität der Schmerzrezeptoren in den Nervenzellen, der sogenannten Nozizeptoren.

Nozizeptoren sind die Enden von Nervenzellen des Rückenmarks, die in allen schmerzempfindlichen Geweben vorkommen. Bei der Schmerzwahrnehmung spielen die aus Proteinen bestehenden Ionenkanäle in der Nozizeptormembran eine entscheidende Rolle. Durch kurzzeitige Öffnung (meist spannungsaktiviert, also in Abhängigkeit des Membranpotentials) lassen die Kanäle Ionen in die Nervenzelle strömen, so dass ein elektrischer Spannungszustand (Aktionspotential) entsteht. Diese Erregung breitet sich als elektrisches Signal über die Nervenfasern weiter aus.

Inzwischen sind neun spannungsaktivierte Natriumkanäle bekannt, die Bezeichnungen von Nav1.1 bis Nav1.9 tragen. Gen SCN9A codiert den Ionentransport in Nav1.7,  SCN11A codiert Nav1.9; beide Gene bestimmen also einen Großteil unserer Schmerzempfindungen. Die bei den CIP-Phänotypen (CIP ist die Abkürzung für „congenital insensitivity to pain“) festgestellten Mutationen führen zur Inaktivität der Natriumkanäle und damit zur Schmerzunempfindlichkeit.

In den vergangenen Jahren wurde weltweit vor allem an spezifischen Nav1.7-Inhibitoren geforscht, jedoch mit mäßigem Erfolg. Die präzise Steuerung genau eines Natriumkanalsubtypen in Nozizeptoren stellte sich als schwierig heraus. Einer der „Entdecker“ von SCN9A, der britische Molekularbiologe Dr James Cox vom Wolfson Institute for Biomedical Research am University College London (UCL), hat nun einen möglichen neuen Ansatz in der Schmerzbekämpfung gefunden – jenseits der Natriumkanäle.

Bei einer CIP-Patientin identifizierte Cox zwei Genmutationen, die das Endocannabinoidsystem betreffen, wie Autor Simon Crompton auf der News-Blog-Seite des BBC Science Focus Magazine berichtet.

Eine Veränderung lag in dem bereits länger bekannten FAAH-Gen vor, eine andere in dem zuvor unbekannten Pseudogen FAAH-OUT. Beide Einheiten steuern die Produktion des Enzyms Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH). Dieses Membranprotein wiederum hat entscheidenden Einfluss auf die Konzentration des Endocannabinoids Anandamid (Arachidonylethanolamid), das auch als „Glücksmolekül“ bezeichnet wird. Anandamid gilt als schmerzstillend und angstlösend.

Die untersuchte Patientin verdankt ihr schmerzfreies Leben sehr wahrscheinlich einem genetisch bedingten Anandamidüberschuss. Die britischen Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse als Ausgangspunkt dienen können für die Entwicklung einer neuartigen Gentherapie gegen Schmerzen.

Lachen erhöht bekanntlich die Schmerztoleranz. Den entsprechenden Trigger liefert der Neuroskeptic-Blog des Discover Magazine.

Der aktuelle Post macht auf das bizarre Werk eines schwedischen Nervenforschers namens Jarl Flensmark aufmerksam. Dieser hat innerhalb von 12 Jahren drei (teils veröffentlichte) Abhandlungen verfasst, in denen er einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der Höhe von Schuhabsätzen und neurologischen Erkrankungen herstellt. Kurz: Hohe Absätze begünstigen Psychosen wie Schizophrenie, flache Absätze fördern dagegen die mentale Gesundheit. Flensmark begründet seine Hypothese mit neurobiologischen Mechanismen, die er genauestens beschreibt.

Neuroskeptic hielt die Artikel des Schweden zunächst für eine gelungene Parodie, vielleicht ersonnen im Kopf eines vom Wissenschaftsbetrieb frustrierten Postdoc. Doch weit gefehlt: Die Recherchen des Bloggers ergaben, dass der real existierende und inzwischen ziemlich betagte Flensmark von seinen „Forschungsergebnissen“ absolut überzeugt ist – und zum Vorteil des eigentlichen Berufsstandes lediglich ein Hobby-Neurologe.

Mehr (pseudo-)wissenschaftliche Skurrilitäten auf Improbable Research.

Trisomie-Bluttest, twitternde Android-Nutzerinnen, nicht repräsentative Influencer und die Sache mit der elektronischen Patientenakte

Trisomie-Bluttest, twitternde Android-Nutzerinnen, nicht repräsentative Influencer und die Sache mit der elektronischen Patientenakte

Soll der vorgeburtliche Trisomie-Bluttest bei Risikoschwangerschaften künftig von den Krankenkassen bezahlt werden? Was bedeutet das Wissen um eine Chromosomen-Anomalie des ungeborenen Kindes für die werdenden Eltern – und was für unsere Gesellschaft? Kein anderes Gesundheitsthema – neben der geplanten bundesweiten Masern-Impfpflicht – hat die sozialen Medien in der ersten April-Hälfte so sehr beschäftigt.

Zum Stichwort „Bluttest“ (korreliert als Google-Suchwort mit „Trisomie“ und „Downsyndrom“) verzeichnet Talkwalker in diesem Zeitraum in Deutschland rund 2.200 Konversationen, das sind Meinungsäußerungen mit mindestens einer Antwort bzw. einem Kommentar. Twitter dominiert als Medium: Die Diskussionen sind zu fast 90 Prozent Tweets. Im Schnitt überwiegen negative, also ablehnende Äußerungen mit 19 Prozent gegenüber 12 Prozent positiven Stellungnahmen. Die potentielle Reichweite der Beiträge liegt bei knapp 37 Millionen Menschen.

Bei genauerem Hinschauen stellt man fest, dass es vor allem twitternde Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren mit Android-Smartphone sind, die das kritische Meinungsbild hinsichtlich der Trisomie-Bluttests bestimmen. Sie äußern sich zu 38 Prozent negativ über diese Form der pränatalen Gendiagnostik, ihre männlichen Pendants nur zu 19 Prozent.

Das Gegenstück ist der männliche Youtuber mit iPhone. Youtuber bewerten die Tests generell zuversichtlicher (21 Prozent positiv, 7 Prozent negativ); iPhone-Besitzer sind sogar noch optimistischer, besonders die männlichen: Sie äußern sich zu 25 Prozent positiv über die vorgeburtlichen Genanalysen.

Auch das höhere Engagement der Apple-Kunden in den Diskussionen fällt auf, speziell in den jungen und den mittleren Altersgruppen. In der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen liegt der entsprechende Wert unter Android-Nutzern bei null, unter iOS-Anwendern dagegen bei 145.

Wie aussagekräftig sind solche Daten eigentlich? Jedenfalls die maschinelle Social-Sentiment-Analyse, also die Identifizierung von Meinungen zu einem bestimmten Thema im Netz und ihre Zuordnung zu den Tonalitätswerten positiv, negativ und neutral mit Hilfe künstlicher Intelligenz und selbstlernender Algorithmen, steht bei Fachleuten und der werbungtreibenden Wirtschaft in der Kritik: Die (meisten) automatisierten Analysemethoden seien nicht ausgereift, lieferten ungenaue oder sogar unzutreffende Ergebnisse.

Kurzes Exempel: Einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage zufolge befürworten zwei Drittel der Deutschen einen Trisomie-21-Test als Kassenleistung. Zum Vergleich dazu noch einmal die durchschnittlichen Sentiment-Werte bei Talkwalker: Nur 12 Prozent der Meinungsäußerungen im Netz sind demnach positiv, 19 Prozent dagegen negativ. Eine überwiegende Zustimmung zu den Chromosomenuntersuchungen lässt sich daraus nicht ablesen. Mehr noch: Während laut Talkwalker vor allem Frauen den vorgeburtlichen Bluttest negativ sehen (25 Prozent negativ, 10 Prozent positiv), Männer dagegen eher positiv (20 Prozent positiv, 18 Prozent negativ), ergibt sich bei YouGov genau das umgekehrte Bild: Frauen befürworten den Test häufiger, Männer lehnen ihn häufiger ab.

Ähnlich übrigens das Missverhältnis bei der Diskussion um eine bundesweite Masern-Impfpflicht: Laut einer älteren YouGov-Umfrage spricht sich eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger (76 Prozent) für eine generelle Immunisierung gegen bestimmte Krankheiten aus, wozu auch die Masern zählen. Ein anderes Bild ergibt sich aus der Sentiment-Analyse bei Talkwalker: Nur 14 Prozent der Meinungen zur Impfpflicht im Netz sind positiv, 25 Prozent dagegen negativ.

Conclusiones: Die Meinungsträger im Netz sind nicht repräsentativ für die statistische Masse, und die Algorithmen stoßen beim „Opinion Mining“ an die Grenzen ihrer Lernfähigkeit. Merke: Die Nichtrepräsentativität von Influencern ändert nichts an der Tatsache, dass sie das Kaufverhalten der Grundgesamtheit nachweislich beeinflussen.

Noch ein Wort zu Apple: Dessen „Health Records“-App für das iPhone mausert sich in den USA langsam zum monopolverdächtigen Quasi-Standard für die elektronische Patientenakte, dank cleverer Kooperationen mit Behörden, Versicherungen und Krankenhäusern. 

Die App bedient sich ihrerseits eines Standardverfahrens für den Austausch von Daten im Gesundheitswesen, welches das aus den USA stammende internationale Normengremium HL7 (Health Level Seven) erarbeitet hat: FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources), sprich „fire“. Vorteil dieses Verfahrens: Es ermöglicht den Datentransfer aus unterschiedlichen Quellen und in unterschiedlichen Formaten. Dadurch ist die Health-App in der Lage, sämtliche Gesundheitsdaten eines Nutzers zentral zu sammeln.

Ob sich Apple bei seinen digitalen Hegemoniebestrebungen im Gesundheitssektor an die aktuellen E-Health-Empfehlungen der WHO halten wird?

Nicole Wetsman dürfte daran ihre Zweifel haben. Die US-amerikanische Bloggerin bezeichnete Apples Gesundheitsapp in einem bereits im Januar erschienenen Post auf Popular Science als „Traum und Alptraum“ zugleich. Ihr Fazit: Zwar spare es Zeit und sei bequem, wenn man mit dem Smartphone bei Bedarf überall auf seine persönlichen Gesundheitsdaten zugreifen könne. Doch habe die zentrale Verfügbarkeit und Abrufbarkeit von Befunden, Diagnosen und Therapieplänen ihren Preis: Der Service werde die Nutzer künftig wohl Geld kosten – und darüber hinaus die Preisgabe weiterer privater Informationen. Auf die werden dann auch interessierte Drittanbieter ein Auge werfen.

Wie ist es in Deutschland um den Datenschutz der elektronischen Patientenakte (ePA) bestellt, die vom E-Health-Gesetz gefordert wird und Ende 2021 eingeführt werden soll? Das virtuelle Krankendossier war Thema der Podiumsdiskussion „All your data belong to us: ePA in der Datenschutzperspektive“ auf der Gesundheits-IT-Messe DMEA im April in Berlin, deren Ergebnisse im Beitrag von Christina Czeschik auf Serapion nachzulesen sind.

In diesem Zusammenhang nach wie vor hörenswert: der Vortrag „All your Gesundheitsakten are belong to us“, den Martin Tschirsich von der IT-Sicherheitsfirma Modzero auf dem „Chaos Communication Congress“ Ende vergangenen Jahres in Leipzig gehalten hat. Die in der Schweiz sitzende Modzero AG hatte kurz vorher gravierende Sicherheitslücken in der elektronischen Gesundheitsakte Vivy aufgedeckt. Vivy ist ein Berliner App-Entwickler und eine 70-prozentige Tochter der Allianz SE, seine gleichnamige eGA-Lösung wird derzeit von 20 gesetzlichen Krankenkassen und drei privaten Krankenversicherern unterstützt.

Grundsätzliche Fragen zum Unterschied zwischen eGA und ePA beantwortet Autorin Czeschik in einem extra Erklärtext.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt übrigens, dass beide elektronischen Akten in (ferner) Zukunft in eine integrierte Gesamtlösung aufgehen werden.

Frisuren gegen Haarausfall, Impfung gegen Gürtelrose und die unheimliche Facebookseite des Dr. Death

Frisuren gegen Haarausfall, Impfung gegen Gürtelrose und die unheimliche Facebookseite des Dr. Death

Renaissance der Podcasts: Die Hörstücke zum Herunterladen sind wieder angesagt. Erstmals wurde der Deutsche #Hörbuchpreis in der Kategorie Podcast vergeben („Transformer“ von Christina Wolf). Auch im Gesundheitsbereich hat das Radio-on-Demand feste Speicherplätze erobert, wie Blogdosis am Beispiel von Wirkstoffradio und Novel Targets bereits zeigte. (Die NT-Autoren legen wegen fehlender Sponsoren übrigens gerade eine Pause ein.)

Nun springt auch die Bauer Media Group auf den Zug auf und bringt mit „Vitatalk“ ein eigenes Health-Hörformat heraus, als Zusatzangebot des Bauer-Gesundheitsportals (eigentlich: Media-Konzepts) „Praxisvita“. Themen der gerne auch mal 20 Minuten langen Beiträge bisher: Chia-Samen, Ibuprofen und Herzinfarkt. „Praxisvita“ tingelt auch auf Pinterest, dort erfahren breiteste Nutzerschichten zum Beispiel, welche Frisuren vor Haarausfall schützen, wie man erkennt, dass man Lungenkrebs hat, und was gegen (diese ewige) Müdigkeit im Büro hilft.

Auf #Instagram, das sich immer mehr zum Marktplatz und Shopping-Kanal für #Millennials entwickelt, sind mit 140.000 Beiträgen so viele Podcast-Links wie nie zuvor versammelt, der Hashtag #podcast taucht mehr als sechs Millionen Mal auf. Nur ein Bruchteil der Hördateien befasst sich freilich mit medizinischen Themen. Laut Listen Notes sind unter weltweit fast 650.000 Podcasts nur rund 1.800, die sich schwerpunktmäßig mit den Themen #Healthcare und #Pharma beschäftigen.

In den USA allerdings sorgte eine Podcast-Serie mit medizinischem Hintergrund im vergangenen Jahr für Spitzenwerte bei den Google-Suchanfragen: „Dr. Death“, ein Episodenwerk über den texanischen Neurochirurgen Dr. Christopher D. Duntsch, der 2017 wegen zahlreicher krimineller #Behandlungsfehler zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Zwei von ihm operierte #Patienten waren gestorben, etliche andere trugen schwere bleibende Schäden davon. Duntschs Fall gilt juristisch als richtungsweisend; zum ersten Mal in der amerikanischen Rechtsgeschichte ging ein Arzt als gefährlicher Pfuscher dauerhaft hinter Gitter.

Kaum zu glauben: Auf #Facebook betreibt „Dr. Death“ bis heute eine eigene Profilseite. Der letzte Besucherkommentar dort, geschrieben im Februar 2019, stammt vermutlich von einem ehemaligen Patienten Duntschs: „Großartiger Arzt! Wegen Schmerzen im unteren Rücken von ihm behandelt, seitdem vom Nacken abwärts taub. Endlich schmerzfrei!!!“

Rund 350.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einer Herpes- zoster-Infektion (#Gürtelrose). Beim #Zoster, einer der häufigsten #Viruserkrankungen der Haut, handelt es sich um eine endogene Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus, der sich bei Erstinfektion in Form von #Windpocken manifestiert. Geschwächte #Immunabwehr, #Stress und Sonneneinwirkung können eine Gürtelrose begünstigen.

Bei Immundefizienz besteht das Risiko, dass der Zoster generalisiert und in eine postzosterische #Neuralgie (PZN) mit chronifizierten Schmerzen übergeht; die Häufigkeit der PZN liegt bei 10 bis 15 Prozent aller Zoster-Infektionen. Das Neuralgie-Risiko nimmt mit dem Lebensalter zu (70 Prozent Häufigkeit bei über 70-Jährigen).

Im Dezember hatte die Ständige Impfkommission (#STIKO) beim Robert Koch-Institut in Berlin die #Impfung gegen Gürtelrose mit dem adjuvantierten Totimpfstoff (Shingrix® von GSK) empfohlen, und zwar für alle Personen ab 60 Jahre sowie bei Personen ab 50 Jahre, bei denen eine #Immunschwäche oder eine bestimmte Grundkrankheit (Diabetes, HIV-Infektion, Rheuma, chronische Darm- und Lungenerkrankungen, chronische Niereninsuffizienz) vorliegt.

In diesem Monat beschloss der gemeinsame Bundesausschuss (GBA), die Zoster-Impfung in den Leistungskatalog der gesetzlichen #Krankenversicherung aufzunehmen. Nun wird die Schutzimpfungs-Richtlinie entsprechend geändert und zunächst dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt. Mit einem Inkrafttreten der Richtlinie (durch Veröffentlichung im Bundesanzeiger) ist Mitte des Jahres zu rechnen; die Impfung ist dann de facto Kassenleistung.

Die meisten #Krankenkassen übernehmen die Kosten bis dahin schon einmal auf dem Erstattungsweg. Auch die Hausärzte (APIs) scheinen hinreichend informiert: Gegen Zoster und PZN wird zweimalig im Abstand von zwei bis sechs Monaten intramuskulär geimpft. Die Wirksamkeit über alle Altersgruppen ab 50 Jahren liegt nach Studiendaten bei 92 Prozent hinsichtlich der Prävention von Zoster, bei 82 Prozent hinsichtlich PZN. Der Impfstoff ist sicher, aber sehr reaktogen; nach Impfung kommt es häufig zu Lokalreaktionen (Schmerzen an der Injektionsstelle, Rötung und Schwellung) und systemischen Reaktionen (Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber), die ein, zwei Tage anhalten können.

Was die Dauer der Impfstoffwirksamkeit angeht, besteht allerdings derzeit noch Unsicherheit. Da es sich um einen neuen Wirkstoff handelt, lassen die vorhandenen Studiendaten keine verlässliche Aussage über die Langzeit-Immunogenität zu. Hilfreich ist ein Blick in das Epidemiologische Bulletin der STIKO. Auf Grundlage der dort wiedergegebenen Daten darf man davon ausgehen, dass eine ausreichende Schutzwirkung mindestens bis zum Jahr 4 nach Komplettierung des Impfzyklus‘ – vermutlich länger – gewährleistet ist.

Möglicherweise aber steigt in Deutschland bald der Bedarf an einem ganz anderen Impfstoff: Ixiaro®, das inaktivierte Vakzin zum Schutz gegen eine Infektion mit dem Japanischen-Enzephalitis-Virus (JEV).

Hersteller ist das französische Biotech-Unternehmen #Valneva, das sich auf die Entwicklung und Vermarktung von Impfstoffen gegen #Infektionskrankheiten „mit großem ungedeckten Bedarf“ spezialisiert hat. Kürzlich schloss Valneva mit dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium ein Abkommen über die Lieferung von Ixiaro®  im Wert von 59 Millionen US-Dollar ab. Den Totimpfstoff, der sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (#WHO) befindet, benötigen die US-Streitkräfte für Einsätze in Ländern, in denen die #JapanischeEnzephalitis (JE) endemisch verbreitet ist, vor allem Ost- und Südostasien. Doch die Vektoren für JEV, verschiedene asiatische #Stechmückenarten, allen voran die der Gattung #Aedes, breiten sich auch in den USA immer weiter aus.

Asiatische #Tigermücke (Aedes albopictus), Asiatische #Buschmücke (Aedes japonicus), Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus) gelten „weltweit als höchst erfolgreiche invasive Arten“. Sie übertragen nicht nur JEV, gegen das es einen Impfschutz gibt, sondern auch nicht impfpräventable Viruserkrankungen wie #WestNilFieber, #Zikafieber, #ChikungunyaFieber und #DengueFieber (die umstrittene Impfung ist in Deutschland nicht zugelassen).

Inzwischen sind die #Moskitos als Neozoen auch in Deutschland angekommen. Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke haben sich hierzulande bereits etabliert. Kürzlich wurde die Koreanische Buschmücke – nach erfolgreicher Überwinterung dank milder Temperaturen – in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden ebenfalls nachgewiesen. Experten gehen davon aus, dass auch sie sich langsam in unseren Gefilden ausbreiten wird.

Wer sich weiter informieren will, dem empfehle ich den Twitter-Kanal #MosquitoborneDisease. Neuere Daten über virale und bakterielle #Zoonosen hat Eurosurveillance in seinem aktuellen Report zusammengetragen.

 

 

Wenn die Zukunft beginnt: Gentherapie und Algorithmen in der Augenheilkunde

Wenn die Zukunft beginnt: Gentherapie und Algorithmen in der Augenheilkunde

Wenn Menschen ihre Sehkraft verlieren oder sogar erblinden, dann ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) die häufigste Ursache. Das gilt zumindest in den westlichen Industrieländern, wo die AMD für ca. 40 Prozent der Neuerblindungen verantwortlich ist.

Die krankhaften Veränderungen in der Netzhautmitte – genauer in der im Zentrum der Makula befindlichen Sehgrube (Fovea centralis), dem Punkt des schärfsten Sehens – treten typischerweise im Alter ab etwa 50 Jahren auf, es können aber auch jüngere Patienten (von einer frühen Form der AMD) betroffen sein. Laut SOS Augenlicht e.V. leiden rund drei Millionen Deutsche an AMD, bei einer weitaus höheren Dunkelziffer.

Tendenziell nimmt die Zahl der Erkrankten zu; nach Schätzungen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) dürfte sie sich bis 2030 verdreifachen. Grund: die steigende Lebenserwartung der Menschen und der damit verbundene Anstieg des relativen Anteils Älterer an der Gesamtbevölkerung. Neben dem Alter gelten Nikotinkonsum und Primärerkrankungen wie Adipositas und Hypertonie als gesicherte Risikofaktoren für das Entstehen einer Makuladegeneration.

Pathologisch handelt es sich bei der AMD um das Absterben der lichtsensitiven Rezeptorzellen (Photorezeptoren) in der Retina. Auslöser ist eine Akkumulation von Stoffwechselendprodukten, wie oxidierten Proteinen und Lipiden, im retinalen Pigmentepithel (RPE), die zu einer Dysfunktion der RPE-Zellen führt. Die RPE-Zellen können dann die darüber liegenden Photorezeptoren nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgen.

Man unterscheidet zwei Formen der altersbedingten Makuladegeneration, die trockene AMD und die feuchte AMD. 85 Prozent der Betroffenen leiden unter der trockenen AMD, die schrittweise zu einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit führt. Sie kann in die (seltenere) feuchte Form der AMD übergehen, die schneller fortschreitet und meist einen irreversiblen Sehverlust zur Folge hat.

Heilbar ist die AMD in beiden Fällen nicht, man kann sie aber durch symptombezogene kurative Maßnahmen aufhalten oder in ihrer Progression zumindest verlangsamen. Bei der sogenannten Anti-VEGF-Therapie werden Medikamente wiederholt direkt in den Glaskörperraum gespritzt. Die VEGF-Inhibitoren verhindern die für die Makula schädliche Neubildung von Blutgefäßen in der Netzhautmitte, indem sie den verantwortlichen Gefäßendothel-Wachstumsfaktor (VEGF) blockieren.

Einem Forscherteam von der Universität Oxford um den Ophthalmologen Prof. Robert MacLaren ist es kürzlich gelungen, bei einer AMD-Patientin erstmals eine Gentherapie durchzuführen, welche die Ursache der Makuladegeneration beheben soll. Dazu wurde ein gentechnisch modifiziertes Virus in die RPE-Zellen der 80-jährigen Patientin injiziert. Die Forscher erwarten, dass das Virus ein spezielles Protein in die RPE-DNA encodiert, das den genetischen Defekt, welcher der AMD zugrunde liegt und zur Überaktivierung des Komplementsystems führt, korrigiert.

Der Ophthalmologie-Blog auf der Seite des Ärztenetzwerks Esanum berichtet über den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Augenheilkunde. So dürften AMD-Patienten das Therapiemonitoring sehr bald alleine zu Hause durchführen können, mit Hilfe eines Retina-Scanners und selbstlernender Algorithmen.

Die Autorin, Augenärztin Dr. Annabelle Eckert, berichtet, dass KI in den USA bereits erfolgreich für die Detektion diabetischer Veränderungen am Augenhintergrund von Patienten eingesetzt werde – ganz ohne Facharzt. Das Programm entscheide autonom, ob der Patient unter einer behandlungsbedürftigen diabetischen Retinopathie leide oder ein Rescreening in 12 Monaten empfohlen werde.

Dr. Eckert verweist auf eine Studie aus dem vergangenen Jahr, die für den Einsatz intelligenter Software bei der Detektion der diabetischen Retinopathie auf Fundusbildern eine Sensitivität und Spezifität von 80 bis 100 Prozent festgestellt habe. Auch in Deutschland, so die Ophthalmologin, stünden bereits an einigen Standorten CE-zertifizierte Retinopathie-Screeninggeräte.

Wer tiefer in das Thema einsteigen will, findet dazu übrigens einen aufschlussreichen Bericht auf aerzteblatt.de.

 

 

Erreger im Auto, Retroviren im Humangenom und HIV im Heimtest

Erreger im Auto, Retroviren im Humangenom und HIV im Heimtest

Was ist der Unterschied zwischen #Sciblogs und #Scilogs? Beides sind populärwissenschaftliche Blogplattformen mit Medizin-Themen, die eine, Sciblogs, in Neuseeland, die andere in Deutschland, als Online-Ableger von „Spektrum der Wissenschaft“ (SdW), dem seit 40 Jahren erscheinenden Science-Magazin aus Heidelberg.

Während hierzulande die Diesel-Abgas-Diskussion auf Verbrennungsschadstoffe wie Stickstoffoxide (NOx) und Feinstaub abhebt, richtet Dr Brendan Moyle, Sciblogs-Autor und Dozent an der neuseeländischen Massey University, sein Augenmerk auf die mikrobielle Belastung in Fahrzeuginnenräumen.

In den hochgradig verkeimten Fahrgastzellen, so argumentiert der Wissenschaftler, verbringe man im Durchschnitt viel mehr Zeit als draußen im Smog. Bakterien auf Lenkrad, Anschnallgurten, Display, Sitzen und Ablagen stellten ein weitaus größeres Gesundheitsproblem dar. Über 700 verschiedene Erregerarten seien einer Studie zufolge in Kraftfahrzeugen nachweisbar, wobei das Steuerrad mit über 600 „koloniebildenden Einheiten“, also Gruppen vermehrungsfähiger Mikroorganismen, die am höchsten kontaminierte Stelle sei – viermal schmutziger als eine öffentliche Toilette. Dr. Moyle gibt im weiteren Verlauf seines Beitrags zahlreiche Tipps für bessere Hygienebedingungen im Auto.

Ganz anders Scilogs: Der „SdW“-Blog glänzt in der Medizin-Rubrik mit einem lesenswerten Post der Berliner Gynäkologin, Immunologin und Neurowissenschaftlerin Dr. @KarinSchumacher anlässlich des Weltkrebstages. Schumacher legt dar, dass #Krebs der evolutionsbiologische Preis ist, den das höhere Säugetier Mensch für eine seiner „Schlüsselinnovationen“ bezahlen muss: die #Plazenta.

Das legen neuere Forschungsergebnisse nahe, die zeigen, dass das epigenetische Aktivierungsmuster (DNA-Methylierung) von Plazentazellen dem von #Tumorzellen, und zwar ausschließlich diesem, sehr ähnlich ist. Mit anderen Worten: Bei der Entstehung von #Krebszellen wird das gleiche Entwicklungsprogramm eingeschaltet wie bei der Bildung des extraembryonalen Gewebes, sprich Plazenta, Fruchtblase und Nabelschnur.

Mit dem Plazenta-Programm wurde auch das Risiko für #Tumorerkrankungen in das #Erbgut der Säuger eingeschrieben; Säugetiere entwickeln vergleichsweise häufig Krebs. Ursache war möglicherweise eine retrovirale #Infektion, schreibt Schumacher.

Für die Ausbildung der Plazenta ist ein spezifisches Gen verantwortlich, das vermutlich durch ein #Retrovirus in die #DNA der #Keimzellen früher Säugetiere vor schätzungsweise 150 Millionen Jahren codiert wurde – evolutionäre Blaupause für die (parasitäre) #Symbiose zwischen Mensch und #Viren. Die vollständige #Sequenzierung des menschlichen Erbguts habe ergeben, so die Autorin, dass neun Prozent des humanen Genoms von Viren, hauptsächlich Retroviren, stammten.

Bis sich aus diesen Erkenntnissen neue #Gentherapien gegen #Tumorerkrankungen gewinnen lassen, werde noch viel #Forschung nötig sein. Bis dahin, meint Schumacher, bleiben uns außer kurativen Maßnahmen vor allem die #Primärprävention (in Form einer möglichst gesunden Lebensweise) und die #Früherkennung als Mittel im Kampf gegen den Krebs.

Apropos „Spektrum der Wissenschaft“: Lohnenswert ist ein Blick in den Twitter-Kanal von @LarsFischer, Scilogs-„Overlord“ und Redakteur bei „Spektrum.de“. O-Ton: „Wenn man beim Recherchieren nicht ein-, zweimal seine Ansicht ändert, recherchiert man möglicherweise schlecht.“ Sehr unterhaltsame Videos von Fischer sind in seinem YouTube-Kanal „Wir werden alle sterben“ zu finden.

Vom Fischblog virtuell nicht weit entfernt sendet das Wirkstoffradio der Berliner Wissenschaftler André Lampe und Bernd Rupp. Lampe ist promovierter Physiker, war am Leibniz-Forschungsinstitut für molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin tätig und arbeitet heute als freier Wissenschaftler; Rupp ist Doktor der Pharmazeutischen Chemie und Chemieinformatiker am FMP. Wirkstoffradio ist ein #Podcast („Zur Anwendung im Ohr“), der sich in Gesprächs- und Diskussionsform unterschiedlicher Themen auf dem multidisziplinären Feld der #Wirkstoffforschung annimmt. In ihrer aktuellen Episode hinterfragen die Wahlberliner kritisch die Statistik zur Genauigkeit der seit Oktober frei verkäuflichen HIV-Selbsttests.

Auf Basis der verfügbaren Zahlen aus dem epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts, „Schätzung der Zahl der HIV-Neu­in­fek­tionen und der Gesamt­zahl von Menschen mit HIV in Deutschland“ (Stand 2017), versuchen sie, die Aussagen der Medizinproduktehersteller in den Gebrauchsinformationen ihrer Schnelltests mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung nachzuvollziehen – und entlarven sie, wie zuvor bereits das Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), als „Unstatistik“ des Monats (Januar 2019).

Denn die Angaben in einzelnen Beipackzetteln, wonach die „Genauigkeit“ des Tests bei über 99 Prozent liege, lasse den Anwender glauben, ein positives Testergebnis bedeute mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass er tatsächlich eine HIV-Infektion habe. Das treffe jedoch bei weitem nicht zu: Berechne man die maßgebliche, für den Anwender entscheidende Größe, nämlich den „positiven prädikativen Wert“, so liege dieser nur bei 1,6 Prozent. Das bedeute, dass von 63 Menschen, deren Test positiv ausfalle, nur ein einziger tatsächlich eine Infektion habe. Das Diktum HIV-Infektion“ sei für Menschen, die den Test alleine zu Hause durchführten, ohne fachliche Beratung, und die nicht mit der Möglichkeit eines falsch-positiven Resultats rechneten, schlicht eine psychologische Katastrophe.

Die Podcast-Autoren halten die HIV-Selbsttests denn auch für wenig sinnvoll, zumal sie Infektionsereignisse erst drei Monate danach anzeigen können – inzwischen also wertvolle Zeit verstrichen ist, die bereits für therapeutische Interventionen hätte genutzt werden können. Wirkstoffradio empfiehlt Menschen, die ihren Immunstatus auf Verdacht hin prüfen möchten, einen anonymen #HIVTest bei einer der einschlägigen Beratungsstellen vornehmen zu lassen; diese seien präziser und schneller als die Testkits aus Drogeriemärkten oder Internet.

Das Wirkstoffradio ist übrigens auch auf der Podcastseite wissenschaftspodcasts.de vertreten, die in ihrer Rubrik „Medizin“ das ebenfalls hörenswerte Audioblog „The Random Scientist“ anbietet. Die „Zufallswissenschaftler“ sind die Herren Dres. Stefan Dillinger in Regensburg und Dominic Helm in Heidelberg, beide Biochemiker. In ihren Hörfeatures behandeln sie Grundlagen- und Hintergrundthemen zur Biologie, von der menschlichen Immunreaktion auf CRISPR über Dunkelreaktionen der Photosynthese bis zum Mikrobiom von Babys.

Schauen wir zum Schluss noch einmal in die englischsprachige Blogosphäre. Auf Reddit, dem Social-News-Aggregator, hat der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (@WHO), wonach sich die Zahl der #Maserninfektionen in Europa 2018 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht hat, die Impfbefürworter auf den Plan gerufen. Ein News-Post über die Mitschuld der  Anti-Impf-Bewegung an der weltweiten Wiederausbreitung der #Masern gehört aktuell zu den populärsten Meldungen auf Reddit und findet 95 Prozent Zustimmung unter den Usern.

Bisher konnte man den Eindruck gewinnen, die notorischen #Impfgegner eroberten in den sozialen Medien schleichend die virtuelle Meinungsführerschaft. Erstarken jetzt die auf Evidenz und Vernunft bauenden „Pro Vaxxers“? Verdienstvolle Aufklärungsseiten wie „Vaxopedia“ (@twitter) tragen sicher ihren Teil dazu bei.

 

 

Neonatologie in Singapur, Gehirne in der Petrischale und Bier im Klimawandel

Neonatologie in Singapur, Gehirne in der Petrischale und Bier im Klimawandel

Die Neugeborenenmedizin hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, sowohl was die apparative Diagnostik als auch die verfügbaren Medikamente und Therapiegeräte angeht. Profitiert hat vor allem die #Neonatologie, bei der die Behandlung von Frühgeborenen im Mittelpunkt steht. Die Überlebenschancen der winzigen Patienten sind gestiegen, dennoch ist die Situation in Deutschland unbefriedigend: Die #Frühgeborenenrate ist mit knapp neun Prozent eine der höchsten im europäischen Vergleich. Es mangelt hierzulande an geeigneten Präventionsmechanismen, um die (bekannten) Risikofaktoren für #Frühgeburten zu reduzieren.

Einen interessanten Überblick über die neuesten internationalen Entwicklungen in der Peri- und Neonatologie verspricht die 14. „Hot Topics in Neonatal Medicine“ vom 12. bis 14. Februar 2019 in Dschidda in Saudi-Arabien. Abstracts können noch bis 12. Januar eingereicht werden, Anmeldung zur Konferenz hier.

Vorgesehene Themen der Veranstaltung im örtlichen Ritz-Carlton-Hotel, zu der über 1000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden, sind unter anderem die neonatale Lungeninsuffizienz (#AcuteRespiratoryDistressSyndrome, kurz ARDS, bei Frühgeborenen nach der Montreux-Definition), die Ultraschall-Diagnostik der Lunge, das Hämodynamik-Monitoring sowie die Behandlung von Hypotonie und Schock.

Wem der Weg in den Wüstenstaat zu weit ist, der schafft es vielleicht zum #Perinatalsymposium 2019 unter der Überschrift „Neonatologie im Wandel“ am 10. und 11. Mai in der Universitätsfrauenklinik Maistrasse in München. Besonderheit: Ein Workshop, in dem Notfälle im Kreißsaal simuliert werden (begrenzte Teilnehmerzahl). Das Symposium steht unter dem Schirm der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (#GNPI), welche wiederum zu ihrer 45. Jahrestagung vom 23. bis 25. Mai 2019 in die Kongresshalle am Zoo Leipzig einlädt.

International wird es wieder beim #OGP (Obstetrics, Gynecology & Pediatrics) World Congress 2019 am 29. und 30. Juli in Singapur.

Der Stadtstaat #Singapur sieht sich als führender Innovationsstandort  und verfügt über wenige aber hervorragende Universitäten. Die #NationalUniversityOfSingapore (NUS) schneidet in internationalen Rankings regelmäßig sehr gut ab. Die #NanyangTechnologicalUniversity (NTU) ist ebenfalls exzellent und unterhält in Partnerschaft mit dem Imperial College London die neu eingerichtete #LeeKongChianSchoolOfMedicine. Die ersten Absolventen haben 2018 ein fünfjähriges Programm abgeschlossen.

Laut #TimesHigherEducationWorldUniversityRankings (2017) liegt die NUS auf Platz 24, die NTU liegt auf Platz 54 und wurde 2015 als „the fastest rising young university in the world” bezeichnet.

Als beste Hochschule für das Studium der Kinder- und Jugendmedizin weltweit gilt die US-amerikanische #HarvardUniversity, genauer die #HarvardMedicalSchool. Sieht man vom pediatrischen Fachgebiet ab, rangiert Harvard in den Ranglisten medizinischer Fakultäten auf dem zweiten (hinter der Universität von #Oxford in Großbritannien) bis sechsten Platz (hinter Oxford, der Universität von #Cambridge, ebenfalls in Großbritannien, sowie den US-amerikanischen Hochschulen #Stanford, Massachusetts Institute of Technology, kurz #MIT, und California Institute of Technology, kurz #Caltech).

“Times Higher Education“ (#THE) zufolge ist die beste deutsche Hochschule für Medizin die Ludwig-Maximilians-Universität München (#LMU München), andere Rankings wie das vom Centrum für Hochschulentwicklung (#CHE) sehen dagegen die #UniversitätHeidelberg vorne; ebenfalls gelistet sind die #Charité in Berlin und die #TechnischeUniversitätMünchen.

Übrigens gehört die Kinder- und Jugendmedizin zur zweitbeliebtesten Facharztrichtung unter Medizinstudenten in Deutschland, nach dem Fach Innere Medizin. Unbeliebteste medizinische Fachrichtung sind die Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologie). So jedenfalls konstatiert es der Blog der Mediziner-Seite „praktischArzt“.

Schauen wir wieder auf die großen Universitäten und ihre Neuigkeiten aus der medizinischen Forschung. #Oxford bringt auf seiner News-Seite einen noch im vergangenen Jahr auf „The Conversation“ erschienenen Essay der australischen Biomedizin-Ethiker Julian Koplin und Julian Savilescu, die beide zur Zeit am Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne arbeiten; der Mediziner und Neurowissenschaftler Savilescu hat in Oxford den „Uehiro“-Lehrstuhl für praktische Ethik inne.

In ihrem Beitrag setzen sich die beiden Wissenschaftler mit den ethischen Fragen der Züchtung von #GehirnOrganoiden aus menschlichen #Stammzellen auseinander.

Zwar ist die Erzeugung zerebraler Mikrostrukturen im Labor, einschließlich funktionierender Neuronenverbindungen, bereits seit einigen Jahren möglich. Doch die jüngsten Fortschritte bei der Entwicklung von „Mini-Gehirnen“ verstärkten die Notwendigkeit ethisch-moralischer Regeln für die #Biomedizin, so Koplin und Savilescu.

Neurowissenschaftlern der Universität von Kalifornien in San Diego, USA, war es im November gelungen, Cortexgewebe zu züchten, das elektrische Impulsmuster ähnlich denen im Gehirn frühgeborener Babies (zwischen der 25. und 39. Schwangerschaftswoche) aufweist. Dieselben Forscher sind nun dabei, zerebrale #Organoide in Mikroroboter zu implantieren. Auch an der Übertragung humaner #Gehirnzellen in das Cerebrum von Ratten wird geforscht.

Koplin und Savilescu räumen ein, dass die Forschung an Labor-Gehirnen durchaus einem moralischen Zweck diene: Durch ein tieferes Verständnis der #Gehirnentwicklung und der Entstehung neurologischer Erkrankungen wie Morbus #Alzheimer, #Autismus oder #Schizophrenie könnten deren Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden. Besorgnis löst bei den Autoren jedoch die Möglichkeit aus, dass die Gehirn-Organoide eines Tages ein menschenähnliches Bewusstsein entwickeln. Für den Umgang mit denkenden und fühlenden Neuronenclustern, die eigene moralische Interessen besäßen, gebe es noch keinerlei ethische Regeln.

Die beiden Wissenschaftler fordern ein ethisches Regelwerk, dessen Fundament in der grundsätzlichen Annahme besteht, dass zerebrale Organoide, deren elektrische Aktivitäten diejenigen eines 20 Wochen alten Fötus übersteigen, ein Bewusstsein haben und deshalb nicht als „biologisches Material“, sondern als wahrnehmende Wesen behandelt werden müssen. Darüber hinaus, so Koplin und Savilescu, sollten die ethischen Regeln Daseinsbedingungen für die #Gehirnoide definieren, die ihrer moralischen Existenz angemessen seien.

Harvard berichtet auf seiner News-Seite über eine aktuelle Untersuchung, die zeigt, dass Menschen mit #Downsyndrom (DS) ihr Leben lang hinzulernen und auch im Erwachsenenalter funktionale Fähigkeiten erwerben können.

Unter der Leitung von Brian Skotko, Professor für Kinder- und Jugendmedizin an der Harvard Medical School und Direktor des Downsyndrom-Programms am Massachusetts General Hospital (MGH), befragten Mediziner der MGH-Kinderklinik gemeinsam mit Ärzten in den Niederlanden rund 2600 Familien, die einen Sohn oder eine Tochter mit DS haben. Die Kinder waren zur Zeit der Untersuchung zwischen fünf und vierzig Jahren alt. Die Eltern wurden gefragt, in welchem Alter ihr Nachwuchs bestimmte funktionale Fähigkeiten besessen habe.

Es stellte sich heraus, dass die meisten Kinder mit DS im Alter von 25 Monaten laufen konnten, mit 12 Jahren einigermaßen gut sprachen, mit 13 Jahren ihre persönliche Hygiene betrieben und mit 20 Jahren selbstständig arbeiteten. Im Alter von 31 Jahren konnten 49 Prozent ausreichend gut lesen und 46 Prozent ausreichend gut schreiben. Etwa 34 Prozent waren in der Lage, unabhängig zu leben, 30 Prozent verreisten alleine. Die Befragungsergebnisse in den USA waren weitgehend gleich mit denen der Niederlande.

Immer mehr Eltern entschieden sich für die pränatale Diagnostik, was dazu führe, dass eine wachsende Zahl von ihnen vor der Geburt vom Downsyndrom ihres Babys erfahre, erläutert Brian Skotko in dem Bericht. Das werfe bei den Eltern viele Fragen über die zu erwartende Entwicklung des Kindes auf, die ihnen die Ärzte bisher auf Grund fehlender Daten oft nur unzureichend beantworten konnten. Die jetzt vorliegenden Studienergebnisse unterstützten Eltern und Ärzte dabei, den Entwicklungsstand eines Kindes mit #Trisomie21 realistisch einzuschätzen und bei Bedarf frühzeitig therapeutische Hilfe und Fördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Die Blog-Plattform „Motherboard“ hat 27 „Forschende“ – vom Physikprofessor bis zur Schriftstellerin – nach ihren größten Zukunftsängsten und -hoffnungen befragt. An den gesammelten Antworten ist bemerkenswert, dass neben den mehr oder weniger erwartbaren Befürchtungen hinsichtlich Natur und Ökologie (Klimawandel, Rückgang der Biodiversität) ein neuer dystopischer Pavor hervortritt: Furcht vor gesellschaftlicher Dissoziation und dem Verlust persönlicher Integrität und Autonomie gegenüber nichtstaatlichen, privatkapitalisierten Technologie-Hegemonen.

Widerstandsfähigkeit, Neugier und Kreativität der Menschen stehen bei den befragten Denkern auf der Habenseite und geben Anlass zur Hoffnung, dass tragfähige Lösungen für ein achtsames, solidarisches und nachhaltiges Zusammenleben gefunden werden.

Blog-Autorin Becky Ferreira weist übrigens an anderer Stelle auf ein missliebiges, aber noch wenig beachtetes Detail bei der Klimawandel-Folgenabschätzung hin: Steigende Temperaturen bekommen der Braugerste nicht, was in Zukunft zu deutlich höheren Bierpreisen führen dürfte.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sind in Deutschland derzeit fast jede zweite Frau und rund zwei Drittel der Männer übergewichtig. Unter Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent zu dick. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist adipös.

Die im Dezember beschlossene „Nationale Reduktionsstrategie“ des Ministeriums, die zu einer Verringerung des Anteils von Fett, Zucker und Salz in Fertiglebensmitteln führen soll, ist für Kritiker aber bereits jetzt ein Flop: Die Lebensmittelindustrie wird zu nichts verpflichtet, weder zu besseren Rezepturen für ihre Snacks, noch zu einer klareren und verbraucherfreundlicheren Kennzeichnung der Fixgerichte, wie es mit der #Lebensmittelampel in Ländern wie Frankreich und Großbritannien schon lange Praxis ist. Auch die Erfolgskontrolle der Kampagne ist lasch. Im Herbst soll ein „Begleitgremium“ prüfen, inwieweit die Ziele der Aktion erreicht wurden.

Dabei wollen die Deutschen bewusster essen und einkaufen, wie der aktuelle #Ernährungsreport 2019 des Ministeriums („Deutschland, wie es isst“) ermittelt hat: 71 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass Fertigprodukte weniger Zucker enthalten, 68 Prozent wollen weniger Fett und 38 Prozent weniger Salz.

Aber bitte, schmecken muss es schon noch, meint das BMEL. Und Fett ist nun einmal, wie die Lebensmittelproduzenten zu betonen nicht müde werden, der wichtigste Geschmacksträger im Essen. Zucker, vermute ich, ist der zweitwichtigste Geschmacksstifter. „Deutschland, wie es ist und bleibt“ wäre ein treffenderer Titel für den Ernährungsreport. Weiterhin guten Appetit!

 

 

Neues aus internationalen Healthcare-Blogs: Diabulimie, drohender Insulin-Mangel und pränataler Alkoholkonsum

Neues aus internationalen Healthcare-Blogs: Diabulimie, drohender Insulin-Mangel und pränataler Alkoholkonsum

Sagt Ihnen #InsulinPurging etwas? Das ist die englische Umschreibung eines gefährlichen Trends, der sich bei jungen Typ 1-Diabetikern, und hier vor allem bei jungen Frauen, ausbreitet: das absichtliche Weglassen der medizinisch notwendigen Insulininjektionen, um Körpergewicht zu verlieren, um “schlank” zu bleiben oder zu werden. Die vermeintliche und riskante Logik dahinter: „Insulin macht mich dick, also verzichte ich darauf.“ (Anmerkung: Bei richtiger Einstellung bewirken Antidiabetika keine Gewichtszunahme.) Das gesundheitsgefährdende „Insulinsparen“ geht häufig mit einem gestörten Essverhalten einher, weshalb der gesamte Verhaltens- und Symptomkomplex als #Diabulimie bezeichnet wird, ein Kompositum aus Diabetes und Bulimie.

Diese noch wenig bekannte Erkrankung macht der von Amy Tenderich in den USA ins Leben gerufene Blog #DiabetesMine zum Thema, und zwar mit einem Gastbeitrag der Aktivistin Erin Akers. Früher selbst Betroffene, gründete Akers vor zehn Jahren die #DiabulimiaHelpline als Nonprofit-Organisation. Im November dieses Jahres veranstaltete sie die „1st International Conference on Diabetes and Eating Disorders“ (@DBHcon18) in New Orleans, die mit jeweils eigenen Programmen sowohl Mediziner und Therapeuten wie auch Patienten ansprach und dabei einen lebendigen Austausch zwischen beiden Gruppen ermöglichte.

Zu den Gastrednern der Konferenz gehörte Dr. #OvidioBermudez, Medizinischer Direktor und Leiter der klinischen Fortbildung am Eating Recovery Center in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Bermudez gilt wegen seiner Methode zur schrittweisen Insulin-Rückgewöhnung, die in zahlreichen Behandlungszentren angewendet wird, als Kapazität auf dem Gebiet der Diabulimie-Therapie. Die Psychologin Dr. #AnnGoebelFabbri, früher Lehrbeauftragte an der #HarvardMedicalSchool und Mitarbeiterin am #JoslinDiabetesCenter in Boston, hielt einen Vortrag über die Prävention und Behandlung von Essstörungen, die mit Typ 1-Diabetes assoziiert sind.

Auf Grund des Erfolges der ersten Konferenz wird es eine zweite im kommenden Jahr geben, und zwar vom 20. bis 22. September 2019 im kalifornischen San Diego.

Wenn Diabetiker in den USA ihr Insulin rationieren, kann das einen ganz anderen Grund als eine Essstörung haben: Geld. Auf Twitter tauchen immer wieder einmal entsprechende Hinweise auf, wie der von #BenWikler, Washingtoner Aktivist der basisdemokratischen Bewegung #MoveOn, die sich unter anderem für Verbesserungen im amerikanischen Gesundheitssystem einsetzt.

Wikler hebt auf eine Meldung des unabhängigen TV-Senders #RTV6 in Indianapolis ab. Dort wird von einer jungen Frau berichtet, einer Typ 1-Diabetikerin, die ihre Insulinversorgung aus finanziellen Gründen einschränken musste, als sie College-Studentin war. Eine Monatsration des Wirkstoffs koste sie rund 1000 Dollar. Selbst heute, mit einem Vollzeitjob und einer Krankenversicherung, sei sie auf die Hilfe von Verwandten und kostenlose Insulin-Muster ihres Arztes angewiesen, teilt die Frau in dem Beitrag mit. Zitiert wird darin auch eine Studie der #Yale University, wonach 25 Prozent der Diabetes-Patienten ihr Insulin rationieren müssen, weil es zu teuer für sie ist.

Zu diesem Thema ist ein Beitrag des in Seattle tätigen Endokrinologen Irl Hirsch (@IrlHirsch) nach wie vor lesenswert, den er früher in diesem Jahr auf STAT gepostet hat.

Sorgen um das Insulin macht sich angesichts eines drohenden Hard Brexit derzeit auch mancher britische Diabetiker, darunter Premierministerin #TheresaMay: Bei einem ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, so wird in zahlreichen Tweets spekuliert, könnten auf der Insel rasch die Medikamente ausgehen.

Die Neudiagnosen von Typ 1-Diabetes unter Kindern bis 14 Jahren nehmen in Europa zu: im Durchschnitt um 3,4 Prozent jährlich. Das hat eine im Fachjournal #Diabetologia Ende November veröffentlichte Studie ergeben, in der die Daten des europäischen Typ 1-Diabetes-Registers #EURODIAB für den Zeitraum von 1989 bis 2013 untersucht wurden.

Die für Deutschland verfügbaren Zahlen zu Neuerkrankungen betreffen Sachsen (jährlicher Anstieg um 4,4 Prozent), Baden-Württemberg (4,1 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (2,6 Prozent). Als Ursachen für den Ausbruch eines Typ 1-Diabetes bei Menschen mit einer entsprechenden genetischen Disposition vermuten Forscher verschiedene Umweltfaktoren, darunter bestimmte Viren und Mikroorganismen.

Die steigende Diabetes-Typ 1-Inzidenz in Sachsen und Baden-Württemberg mag erklären, warum die Menschen dort ein besonders großes Interesse an dem von #NovoNordisk zum 1. Dezember in Deutschland wiedereingeführten Basalinsulin-Analogon #Tresiba (Insulin degludec) zeigen, folgt man der Beliebtheit des Suchbegriffs bei Google in den letzten Wochen.

Anfang 2016 hatte Novo Nordisk das Präparat vom deutschen Markt genommen, da es seine Preisvorstellungen gegenüber den Krankenkassen nicht durchsetzen konnte. Der G-BA hatte dem Arzneistoff keinen Zusatznutzen im Vergleich zu etablierten Insulinbehandlungen zugesprochen. Das langwirksame Basalinsulin war hierzulande nur als Import erhältlich. Nach neuen Studiendaten, die den klinischen Nutzen von Insulin degludec bestätigen, und dem Aufruf des G-BA zur erneuten Nutzenbewertung entschied Novo Nordisk das Comeback des Diabetesmedikaments – nicht zuletzt angesichts einer nach eigenen Angaben anhaltend hohen Nachfrage in Deutschland.

Die weltweit wachsende Zahl insulinpflichtiger Typ 2-Diabetiker sieht sich mit einem drohenden Insulin-Mangel konfrontiert, wie eine im #Lancet Diabetes & Endocrinology-Journal im November veröffentlichte Studie zeigt. Demnach werden bis 2030 – also in 12 Jahren – rund 40 Millionen Typ 2-Diabetiker keinen Zugang zu dem medizinisch benötigten Wirkstoff haben.

Themenwechsel: Ernährung ist nicht nur für Diabetiker eine wichtige (änderbare) Einflussgröße, sondern auch für Frauen in der Schwangerschaft. Im aktuellen Post ihres Gesundheitsblogs gibt die von mir geschätzte französische Medizinjournalistin #VanessaPageot Empfehlungen für gesundheitsbewusstes Essverhalten, wenn man ein Baby bekommt: „Kein Sushi, kein Rohmilchkäse und keinen Tropfen Alkohol.“

Sushi, namentlich der darin enthaltene rohe Fisch, birgt die Gefahr einer Infektion mit Listerien, bakterielle Erreger, die für Mutter und Kind gefährlich werden können. Die Listeriose ist in Deutschland meldepflichtig, aber schwer zu diagnostizieren, weshalb der Einsatz von Antibiotika häufig zu spät erfolgt. Die Zahl der Infektionen bei Menschen in Folge des Verzehrs verdorbener oder verschmutzter Lebensmittel ist in den letzten Jahren in Europa angestiegen.

In Rohmilch und nicht pasteurisiertem Käse sind es salmonellenartige Bakterien, die zu Erkrankungen führen und während einer Schwangerschaft die Gesundheit des Fötus gefährden können. Risikofaktor Nummer eins für die vorgeburtliche Entwicklung eines Kindes ist laut Vanessa Pageot in Frankreich der Alkoholkonsum. Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) sei der französischen Gesundheitsagentur (#SantéPubliqueFrance) zufolge die Hauptursache für körperliche Missbildungen und geistige Behinderungen bei Neugeborenen. Die Agentur hat im September eine Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne über die Risiken von Alkoholkonsum während Schwangerschaft und Stillzeit gestartet.

Experten in Großbritannien gehen davon aus, dass ihr Land, nicht Frankreich, eine der weltweit höchsten FAS-Raten zu beklagen habe. So auch fünf britische Wissenschaftlerinnen, die sich in ihrem gemeinsamen Post auf der Social-News-Plattform #TheConversation der Problematik widmen. Sie beziehen sich auf eine im vergangenen Jahr in The Lancet veröffentlichte Studie, an der auch der deutsche Psychologe Dr. #JürgenRehm mitgewirkt hat. Der in Mannheim promovierte Rehm ist Professor im kanadischen Toronto, Leiter der epidemiologischen Forschung an der TU Dresden und Drogenmissbrauchsexperte der WHO. Der Studie zufolge konsumieren 41 Prozent der britischen Frauen während ihrer Schwangerschaft Alkohol, 19 Prozent trinken exzessiv.

Die Autorinnen kritisieren die aktuellen Gesundheitsempfehlungen der Behörden, die ihrer Meinung nach zu liberal ausfallen und schwangeren Frauen anstelle des früher propagierten Alkoholverzichts lediglich die Vermeidung von Alkohol nahelegten, was den gelegentlichen Konsum geringer Mengen nicht ausschließe. So glaube die Mehrzahl der werdenden Eltern im Vereinigten Königreich, dass eingeschränkter Alkoholgenuss der Mutter während der Schwangerschaft keinen gesundheitlichen Schaden beim Kind hervorrufe.

Erschwerend komme hinzu, dass es in Großbritannien kein einheitliches System zur Überwachung der Prävalenz von Alkoholkonsum bei Schwangeren gebe. Zwar fragten Ärzte und Hebammen die Frauen danach, die Informationen würden jedoch nicht gespeichert. Die fehlenden Daten verhinderten eine frühe Diagnose der fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD).

Kanada und Australien, schreiben die Wissenschaftlerinnen, seien Vorbilder für eine bessere Strategie zur FASD-Prävention. In Kanada werde ein Vier-Stufen-Modell praktiziert, in dem junge Frauen und werdende Mütter frühzeitig über die Gesundheitsrisiken bei pränatalem Alkoholgenuss aufgeklärt und informiert werden.

Wie die Alkoholstrategie der EU aussieht, das kann man auf #Euractiv in den Beiträgen des unermüdlichen Sarantis Michalopoulos nachlesen.

 

 

Impfende Apotheker, Hasch-Aktien und komische Superhelden

Impfende Apotheker, Hasch-Aktien und komische Superhelden

„Deutschland sucht den Grippe-Impfstoff“ (#NeuesDeutschland): Lieferengpässe beim Influenza-Impfstoff in vielen Teilen Deutschlands sind ein Thema auch in den sozialen Medien. Der bessere Vierfach-Impfstoff als Kassenleistung hat die Nachfrage in die Höhe getrieben, hinzu kommt eine in vielen Fällen fehlerhafte Bestell- und Bevorratungspraxis – fertig ist die #Impfmittelknappheit.

Seit Wochenanfang stieg die Anzahl der Postings zum Thema von 0 auf 170, verfasst von insgesamt 50 Autoren auf Twitter, Instagram und in diversen Blogs. Rund die Hälfte der Beiträge ist positiv (bereits Geimpfte, generelle Impfbefürworter), die andere Hälfte negativ („Missmanagement“, „Behördenversagen“, generelle Impfgegner). Auch ironischer Spott hat seinen Platz. Zu drei Vierteln melden sich Männer zu Wort.

Im europäischen Ausland sind Versorgungsengpässe kein Thema. In Großbritannien widmen sich in dieser Woche (bis Donnerstag) 115 Onlinebeiträge dem #flushot, drei Viertel davon mit positivem Tenor. Mit über 350 Postings in demselben Zeitraum diskutieren die Franzosen den #Grippeschutz am engagiertesten, sie zeigen außerdem ein konstantes Interesse. 60 Prozent der Beiträge sind positiv; erörtert werden die (wenn auch geringe) Möglichkeit einer #Impfpflicht gegen Influenza sowie die Durchführung der Impfungen in Apotheken.

Diese werden in Frankreich seit Oktober tatsächlich in zwei westlichen Départements – Charente (Präfektur Angoulême) und Charente-Maritimes (La Rochelle) – versuchsweise angeboten. Mit wachsendem Erfolg: Seither wurden über 100.000 Menschen gegen Vorlage eines offiziellen Impfgutscheins in Apotheken gegen Influenza geimpft, während es in der gesamten Impfsaison 2017 nur 50.000 Menschen waren. Rund 70 Prozent der regionalen Apotheken nehmen an dem Experiment teil und verabreichen den Grippe-Impfstoff.

In Deutschland sind in dieser Woche, außer den möglichen Nebenwirkungen der Influenza-Impfung, #Antibiotika ein gefragtes Thema (Google). In ca. 1500 Onlinebeiträgen (seit Montag) geht es um den sorglosen Umgang mit dieser Arzneimittelgruppe, die Zunahme antibiotikaresistenter Erreger, die Entwicklung neuer Vakzine und mögliche alternative Behandlungswege.

Auslöser dieser „Buzz Cloud“ war die #World Antibiotic Awareness Week (WAAW) der Weltgesundheitsorganisation (#WHO) in der Vorwoche, mit Kulminationspunkt am #Welt-Antibiotika-Tag, der auch eine vom #ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) gesponserte europäische Variante hatte.

Hierzulande wurde die WHO-Kampagne durch vielgestaltige Beifahrer-Kommunikation begleitet, beispielsweise die Aktion #Antibiotika-Alternativen des vom G-BA Innovationsfonds geförderten Projekts #ARena – Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden (siehe #Technokratensprache), das – unter Beteiligung der #AgenturDeutscherArztnetze, der AOK und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns – vom aQua-Institut geleitet wird. Aqua was? Dahinter steht ein gut vernetztes Göttinger Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt in der „angewandten Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen“. Den politischen Überbau für das Projekt „ARena“ bildet die #DeutscheAntibiotikaResistenzstrategie (#DART2020) der Bundesregierung.

Weit weniger professionell verlief dagegen die soziale Kommunikation der Initiative  “Besser Leben mit Labor“ (bitte nicht verwechseln mit „Live better with Labour“) der Branchenfachverbände der Diagnostiker, sprich Akkreditierte Labore in der Medizin e.V. (#ALM) und Verband der Diagnostica-Industrie e.V. (#VDGH). Sie schickten ein marveleskes 3D-Maskottchen namens „D-Man“ in den Kampf gegen multiresistente Keime, und zwar auf Berliner U-Bahn-Plakaten und im Netz. Das Hashtag fürs Männle auf Twitter lautet #DMan – und bekam prompt unpassende Konkurrenz. Don’t forget your hashtag check!

Denn im Twitter-Thread von D-Man macht sich nun bereits weit vorne ein gewisser „Scotty Swashbuckeler“ (#DMAN) breit. Und Scotty hat mit einer ganz anderen Art der Diagnose zu tun, nämlich mit der Aktienanalyse und -bewertung. Deshalb postete er viele launige Charts und macht unmissverständlich klar: „We’ve only just begun…“.

Scotty wirbt für außerbörslich (zum Beispiel am Telefon) gehandelte Anteile an der Innovativ Media Group (INMG), eine Multimedia-Firma in Los Angeles. Die hat vor kurzem nicht nur die kalifornische Health- und Wellness-Boutique Demand Brands Inc. (DMAN) übernommen, sondern ist gleichzeitig in diverse kanadische Cannabis-Outlets investiert, wie CannaNet.TV. Klare Sache: Kaufempfehlung!

Kanada hat im Oktober als erstes Industrieland den Verkauf und Konsum von Cannabisprodukten legalisiert, seitdem schießen die Marihuana-Aktien in die Höhe. Der Berliner Superheld D-Man sollte sich fragen, ob er nicht besser in Kanada als „Dope-Man“ Karriere macht.

Auch bei uns kommt das Thema #Cannabis langsam in Fahrt. „Cannabis ist verboten, weil es illegal ist“, tautologisierte Marlene Mortler (CSU), in den sozialen Medien überdurchschnittlich stark vertretene Drogenbeauftragte der Bundesregierung, noch im vergangenen Jahr (seitdem Twitter-Pause). Inzwischen sehen viele Politiker das anders. Die Cannabis-Freigabe für Patienten ist Indikator für die wachsende Normalisierung im Umgang mit den Hanf-Cannabinoiden, die über kurz oder lang zu einer (kontrollierten) Abgabe von Cannabis als Genussmittel führen dürfte. In einer aktuellen Online-Umfrage des Berliner #Tagesspiegel rechnen knapp 40 Prozent der Teilnehmer damit, dass Cannabis innerhalb der nächsten sechs Jahre in Deutschland vollständig legalisiert wird.

In den sozialen Medien erreicht das Thema Cannabis-Medizin in dieser Woche mit 147 Postings (bis Donnerstag) in Foren und Blogs sowie auf Twitter, Instagram, Flickr und Pinterest ein neues Halbjahreshoch. Kommentiert werden die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (#BfArM) für den Anbau von Medizinal-Hanf in Deutschland und die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (#GSAV) geplante Vereinfachung der Cannabisverordnung. Auch der Vorstoß der Grünen im Bundestag, den sogenannten Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen zu streichen, weil sie zu viele Anträge von Patienten auf Cannabis als Medikament ablehnten, findet sich in den Netzkommentaren wieder.

Einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks, demzufolge die analgetische Wirkung von Cannabis durch Studien bisher nicht eindeutig belegt ist, kontert #HanfHeilt.net mit anderslautenden Studienergebnissen und einem Statement von Prof. Dr. @RainerSchmid, Chemiker und Toxikologe an der Universitätsklinik der Stadt Wien: „Der Vorwurf der fehlenden Wirksamkeit wegen fehlender klinischer Studien ist absurd.“ Einen Überblick über neuere Studien zur Wirksamkeit von Medizinal-Hanf in der Schmerztherapie liefert Bloggerin Celine Stubentor vom #THC.Guide.

Eine Apotheke in Hürth bei Köln bietet übrigens auf ihrer Seite “Cannabis-Apotheke” tagesaktuelle Verfügbarkeitsdaten für verschiedene Hanf-Blütensorten.

In Kanada indessen sehen Experten die Legalisierung von Cannabis als möglichen Ausweg aus der Opioid-Schmerzmittel-Krise. Hoffnung diesbezüglich auch in den USA: Dort ist „medical marijuana“ derzeit in 33 der insgesamt 50 Bundesstaaten legal, in zehn Bundesstaaten plus Washington, DC ist der Cannabiskonsum komplett legalisiert.

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